Coppola/Murch: Zweite Jugend
Geschnitten wurde der Film in San Francisco. Dabei arbeiteten Murch und Coppola gemeinsam mit dem Schnittassistenten Sean Cullen und dem Effektspezialisten Kevin Bailey daran, die zentrale Botschaft des Films herauszuarbeiten. Besonderer Wert wurde darauf gelegt, die starke Handlung und die Stimmungselemente hervorzuheben, die Coppola anfänglich für die Geschichte begeisterten. Eine wichtige Aufgabe bestand dabei darin, auszuprobieren, wie viele metaphysische Sprünge man dem Publikum zumuten konnte, ohne seine Aufmerksamkeit zu verlieren. Für das Schneiden des Films wurden insgesamt sechs Monate benötigt, davon zwei Monate Arbeit mit Coppola in Rumänien.
Murch übernahm DV-Material, sodass er die DV-Auflösung zunächst beibehielt, um ein sauberes Schneiden zu ermöglichen. Erst zum Ende änderte er schließlich die Auflösung und arbeitete an einer komprimierten 1080p HD-Version. Cullen und Bailey stellten den Film dann im nicht komprimierten 1080p 24 fps Format auf ihrer Schnittsuite bestehend aus fünf Mac Computern mit Final Cut Pro via Xsan bereit. Diese Endversion wurde dann für die Farbbearbeitung an Laser Pacific gesendet.
"Die Arbeit in komprimiertem 1080p 24 fps spiegelte das, was wir machten, unglaublich gut wider", so Cullen, "denn diese Version war im Wesentlichen nicht von der Endversion zu unterscheiden. Die Arbeit damit war außerdem sehr unkompliziert - man konnte leicht an eine bestimmte Position in der Timeline springen und Elemente sperren oder laden. Walter war sehr zufrieden mit der Bildqualität des Schnitts im Videoformat."
Und er fügt hinzu: "Der zentrale Vorteil von Final Cut in unserem Workflow war, dass wir verschiedene Medien und Komprimierungen ganz einfach mischen konnten. Wir konnten die vorhandenen Ressourcen intelligent nutzen, ohne willkürliche Einschränkungen hinsichtlich der Medien, und ich denke, deswegen haben wir uns für Final Cut entschieden und deswegen war diese Lösung genau richtig für unsere Zwecke."
Auch die Effekte wurden - getreu dem Stil des ganzen Films - gleichzeitig erstellt. Für Murch ist Coppola ein "prozessorientierter Regisseur", der Input erbittet und Entscheidungen während des Drehs trifft - ganz anders als ergebnisorientierte Kollegen, die jede Aufnahme vorab bis ins kleinste Detail mit einem Ablaufplan ausarbeiten.
"Die Traumsequenzen waren im Drehbuch beispielsweise in Klammern als "violett" beschrieben. Das war für Francis aber nur ein Hinweis, dass wir diese Träume irgendwie von der normalen Realität abgrenzen würden", erzählt Murch. "Während des Drehs kam Francis eines Tages zur Arbeit, schaute auf einen Monitor und sagte: 'Lasst uns diese Aufnahme doch mal auf den Kopf stellen.' Da digital gearbeitet wurde, musste nicht die ganze Kamera umgedreht werden, sondern man konnte die Bilder einfach elektronisch umdrehen. Diesen Effekt kann ich natürlich auch in Final Cut erzielen, und das habe ich schon oft getan."
Effektspezialist Bailey konnte etwa 60 der 180 Effekte für den Film im Studio in San Francisco erstellen, vorab in Final Cut Pro visualisieren und abschließende Bearbeitungsschritte dann in Shake vornehmen. "UPP (United Production Partners) in Prag übernahm all die schwierigen dreidimensionalen Effekte", erzählt Murch, "z. B. wenn wir Schneefall brauchten oder ein Flugzeug über den Himalaya fliegen sollte. Sowas in der Art. Relativ einfache, aber dennoch wichtige Arbeiten hat Kevin in unserem eigenen Studio erledigt." Mithilfe von Shake konnte Bailey Einflüsse des 21. Jahrhunderts von einigen Aufnahmen digital entfernen und Statisten durch Compositing vervielfachen.
Für Cullen war die nahtlose Zusammenarbeit zwischen Final Cut Pro und Shake ein entscheidender Vorteil im Workflow, denn dadurch konnte auf einfache Weise experimentiert und Material zwischen einzelnen Systemen ausgetauscht werden. "Kevin konnte eine Sequenz, die Walter in Final Cut Pro geschnitten hatte, mit allen Farbeffekten in Shake öffnen, den Effekt erstellen, das Ganze rendern, über das Xsan Netz freigeben und innerhalb von einer Stunde wieder an Walter zurückgeben. Dadurch, dass die fertigen Effekte direkt nebenan verfügbar waren, konnten wir experimentieren und uns künstlerisch ausleben, denn so war es wirklich einfach, Effekte zu erstellen und zu ändern."
Auch bei der Audiobearbeitung setzte Murch auf Final Cut Pro und übergab dem Sounddesigner Pete Horner schließlich Final Cut Pro Dateien mit 24 Audiospuren. "Walter arbeitet immer sehr viel am Audiomaterial", so Cullen. "Wir haben deshalb eine vollständige und hochwertige Audiomontage übergeben."
Die Arbeit mit Final Cut Pro erwies sich letztendlich als großer Vorteil für Murch und sein Team, denn damit ließen sich bereits Aspekte der Postproduktion visualisieren.
"In den letzten Schnittphasen haben wir mit der endgültigen Auflösung des Films gearbeitet", so Murch. "Die Farbkorrektur mal ausgenommen verließ wirklich die endgültige Fassung des Films unsere Schnitträume. Final Cut war für uns einfach die beste Lösung."