Ich denke, jedes Arrangement und jede Idee, die jeder einzelne von uns einbringt, seine ganz eigene Individualität - all das ist so wichtig für den übergreifenden MEZZOFORTE Sound.

MEZZOFORTE: Blaue Wunder und feine Töne

Da, wo die Luft klarer, der Wind frischer und der Himmel blauer ist – genau da liegt Island, zweigrößter Inselstaat Europas und größte Vulkaninsel der Welt. Mitten im Nordatlantik und direkt am Polarkreis gelegen, birgt sie nicht nur atemberaubende und faszinierende Naturschauspiele. Noch bevor Anfang der Neunziger die Björk – Welle nach Europa schwappte, hatten vier Musiker aus Reykjavik bereits die Jazz-Szenen von England bis Japan erobert: MEZZOFORTE. Gegründet im Jahr 1977 von vier Teenagern – Fridrik Karlsson (guitar), Eythor Gunnarsson (keyboards), Johann Asmundsson (bass) und Gulli Briem (drums) – gelang MEZZOFORTE mit ihrem vierten Album der größte internationale Erfolg. Ihr Hit „Garden Party“ aus dem ersten Album Surprise Surprise (1983) stürmte weltweit die Charts.

MEZZOFORTE on stage

Nach unzähligen Konzerten in Europa und Asien spielen MEZZOFORTE erstmalig nach 21 Jahren wieder in ihrer Heimat. Wir haben die Ehre, die Musiker zu begleiten und sind dabei, als sie im „Green Hat“, einer Bar in dem kleinen Städtchen Akureyri, vor ca. 200 Fans auftreten. Noch eine Woche zuvor hat die Band 10.000 Menschen auf einem Open-Air-Jazz-Festival in Budapest begeistert. Aber zurück nach Akureyri. Die Musiker auf der Bühne sprühen vor Energie. Sie haben Spaß an ihrer Musik, die Lebensfreude und Leichtigkeit vermittelt. Die einzigartige Perfektion im Zusammenspiel, die Liebe zum Detail, der typische MEZZOFORTE-Groove und die eingängigen Melodien: Das macht den Sound der Band so unvergleichlich. Es ist ein Uhr morgens und die Sonne scheint noch immer. Mittsommernacht auf Island. Morgen geht es weiter nach Egilstadir, eine kleine Stadt im Norden der Insel. Das derzeitige lineup besteht aus den Gründern Eythor Gunnarsson, Johann Asmundsson und Gulli Briem sowie Oskar Gudjonsson (saxophone), Bruno Müller (guitar) und Sebastian Studnitzky (trumpets/keyboards).

“Üben? Das brauchen wir nicht mehr.”

- Johann Asmundsson, bass

Der vierte Mitbegründer Fridrik Karlsson, der seit 1996 in London lebt, hat sich aus dem Tourleben zurückgezogen und macht mittlerweile hauptsächlich Studioproduktionen. Der Rest der Band lebt mit seinen Familien in Reykjavik. Auf der Weiterreise nach Egilstadir, wo am Abend der nächste Gig stattfindet, erzählt uns Eythor aus den Anfangszeiten der Band. Als Teenager, alle zwischen 13 –15 Jahre alt, hatten sie alle eines gemeinsam: die Vorliebe für amerikanische Fusion-Jazz & Funk-Bands. In einer kleinen Garage hinter dem Haus von Fridriks Mutter nahm die Karriere ihren Anfang. „Wir haben uns jeden Tag getroffen und die Musik unserer großen Vorbilder gehört, wie z.B. Weather Report, Return To Forever, Chick Corea, George Duke“, erzählt uns Eythor. „Uns verband die Leidenschaft zur gleichen Musik. Jede freie Minute haben wir uns getroffen und intensiv geübt. Wir versuchten, die Jungs von Earth, Wind & Fire zu covern. Das ist uns offenbar nicht gelungen - (lacht) - wir haben viel rumprobiert und nach und nach in dieser Phase unseren eigenen Style gefunden.“

Ihre erste Tour begann in England, wo sie 47 Konzerte in 49 Tagen spielten. In den 80er Jahren tourten sie durch West-Europa und Asien. In den 90er Jahren kamen die Einladungen aus den osteuropäischen Ländern. „1993 waren wir z.B. in Indonesien – als Headliner! Wir hatten ja keine Ahnung“, ergänzt Eythor lachend.

Eythor, der immer auch als Produzent für viele Projekte tätig gewesen ist, hat lange mit ProTools und Logic parallel gearbeitet. In ProTools hat er Audio und in Logic MIDI synchron gefahren. „Logic war in meinen Augen jedoch immer überlegen und so entschied ich mich 1992 endgültig für Logic - die Wahl habe ich bis heute nicht bereut.“, erzählt uns Eythor.

Zu seiner wichtigsten Grundausstattung zählen Keyboards von Yamaha. Für ein Konzert in Spanien hat ihm der Veranstalter ein Keyboard von Roland organisiert. „Und das“ – so Eythor – „ist einfach nicht das Gleiche“. Er schätzt diese absolute Zuverlässigkeit, die ihm auch Logic seit Jahren bietet. So wurde z.B. der Song „Nightfall“ auf dem letzten Album Forward Motion (2004) direkt in Logic geschrieben. Besonders gefällt Eythor das AU Plug-in Stylus RMX von Spectrasonics. Dem Programmierer dieses Plug-ins hat die Band einen Credit auf dem Album gewidmet, denn „er hat ja sozusagen mitproduziert.“, so Eythor. Und der zurückhaltende Isländer gerät ins Schwärmen: „Es ist alles so einfach mit Logic. Ich kann damit überall arbeiten, egal wo, ich brauche nur mein MacBook Pro.“ Heutzutage könne laut Eythor jeder mit wenig Aufwand produzieren mit so genannten non-professional sets. Die Kunst jedoch liege in der richtigen Mischung. Für MEZZOFORTE ist dies der wichtigste Prozess, für den sie mit viel Liebe zum Detail mindestens genauso viel Zeit aufwenden. „Da fängt es auch an, für uns richtig teuer zu werden (lacht) – aber genau darauf kommt es an: einen guten Toningenieur zu finden in einem guten Studio.“

Die letzte Platte Forward Motion (2004) hat die Band zunächst in Dänemark produziert, um dann alles in einem kleinen Studio auf Island noch einmal komplett zu überarbeiten. Teile wurden auch in Fridrik´s Studio in London produziert, die finale Mischung erfolgte ebenfalls in London. Während der Produktion von Forward Motion hat die Band erstmalig mit einem anderen Gitarristen zusammen gearbeitet. Da Fridrik keine Touren mehr begleitet und die Band sich deshalb immer neue Gitarristen sucht, wagte man gleiches für das Recording. „Aber das hat nicht funktioniert“, erzählt uns Eythor. „Der Sound von MEZZOFORTE war einfach nicht da, es fehlte der Spirit. Also haben wir Fridrik angerufen. Er hat alle Termine abgesagt und kam sofort, um mit uns die Platte aufzunehmen.“ Im Vergleich: Das zehnte Album Daybreak (1993) hat die Band in Originalbesetzung in einer rekordverdächtigen Zeit von nur zwei Wochen in Dänemark produziert - inklusive Mischung.

Live spielt Eythor vornehmlich mit dem virtuellen Instrument EVP 88, das Teil von Logic Pro ist. Um Bläser-Samples abzuspielen, nutzt Eythor den iPod. Die Samples dienen zur Unterstützung der zwei Live-Bläser, somit wird der gesamte Tonumfang auf die Bühne gebracht. Die Samples sind alle selbst produziert, einige Phrasen übernimmt er aus den Studioproduktionen. Bei einem Song mit Playbacks erfolgt die Einspielung meistens mit Logic – neuerdings nutzt Eythor auch dafür den iPod, denn „der ist so schön klein!“ Dabei sendet er das Bläsersignal zum Mischpult und den „Klick“ zu Gulli an den drums. Das Schöne am iPod ist für den Keyboarder, dass er so verlässlich und handlich ist. Logic ist für Live-Einsätze jedoch nach wie vor unverzichtbar, weil es über viele virtuelle Instrumente verfügt, die alle live spielbar sind und nichts wiegen. Im Gegensatz zu dem zweikanaligen iPod bietet Logic – je nach Audiointerface – eine Vielzahl von Outputs.

„Was können wir 2007 von MEZZOFORTE erwarten?“, wollen wir von Eythor wissen. Und tatsächlich hat die Band große Pläne: Ihr mittlerweile dreizehntes Album, pünktlich zum bevorstehenden 30 jährigen Bühnenjubiläum, ist bereits in Arbeit. Das Highlight für jeden Fan: die ebenfalls für 2007 geplante Live-DVD.

“Es ist alles so einfach mit Logic. Ich kann damit überall arbeiten, egal wo, ich brauch nur mein MacBook Pro.”

- Eythor Gunnarsson, keyboards

Als wir mit Eythor über das Songwriting sprechen, erhalten wir die verblüffende Aussage, dass MEZZOFORTE in fast 30 Jahren noch nie einen Song niedergeschrieben hat. Dennoch bringt jedes Bandmitglied seine eigenen Ideen mit. Jeder ist verantwortlich für seinen eigenen Part in der Musik und bringt seine Ideen für neue Songs ein. „Die Musik kommt von innen. Das bedeutet uns mehr, als Musik, die wir im ersten Moment mittels Noten nur über die Augen wahrnehmen.“

MEZZOFORTE on stage

Als Autodidakten waren Noten für die Jungs immer zweitrangig. Der Drummer Gulli Briem hat erst 1994, als die Bandmitglieder zwischenzeitlich eigene Wege gingen, ein Musikstudium in Los Angeles begonnen. Und der Bassist Johann Asmundsson hat gerade vor 4 Jahren bei einer Musikschule graduiert, um seine Theorie-Kenntnisse zu erwerben. „Wenn wir Songs für Aufnahmen arrangieren, bringt z.B. einer von uns seine Idee für einen Song. Wir fangen an zu spielen, spielen ein bisschen mit dieser Idee herum - solange, bis das richtige Gefühl da ist.“ Diese Aussage von einem Musiker mit Weltklasse-Niveau beweist wieder einmal mehr: Musik ist die Sprache der Seele.

Die Musiker bauen ihr Set auf der Bühne selbst mit ab – sie sehen sich ganz selbstverständlich als Teil des Teams und arbeiten Hand in Hand mit den Roadies. Keine Spur von Star-Allüren. Dass sie alle die magische 40 überschritten haben, ist keinem der sympathischen und bescheidenen Musiker anzusehen. Es mag an der klaren isländischen Luft liegen, an der magischen Aura Islands oder einfach nur an ihrer Musik, die beflügelt und inspiriert. Sie scheinen mit sich im Einklang zu sein und das ist, was zählt.

 
 
 
 

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