Ziel der Flugmaschine und der Projektionen war es, starke Bilder zu erzeugen, bevor das eigentliche Flugzeug gezeigt wurde. Alles war irgendwie überdimensioniert, damit es zum größten Flugzeug der Welt passte.

Damien Villière: Design in anderen Dimensionen

Kennen Sie den Unterschied zwischen groß und sehr groß?

Als Frédéric Bault, Kreativdirektor der französischen Werbeagentur Euro RSCG, den Multimedia-Künstler Damien Villière beauftragte, die Produkteinführung des Airbus 380 zu gestalten, war klar, worum es ging: Der A380 ist das größte Passagierflugzeug der Welt. Seine Vorstellung ist für Airbus ein wichtiger Coup im Wettbewerb mit dem Konkurrenten Boeing. "Als Europäer sind wir natürlich stolz auf die Flugzeugtechnologie aus unserem Land", sagt Villière.

Deshalb musste die Show gigantisch werden.

Villière ist in europäischen Werbekreisen als Mann für spektakuläre Events bekannt, eine Spezialität, die er erst bei der Arbeit mit Bault kennen gelernt hat. Seine Arbeiten nutzen sogar bekannte Wahrzeichen von Paris, um ganz sicher zu sein, dass die Installationen einen wirklich bleibenden Eindruck hinterlassen. So wurde der Eiffelturm für den Rugby World Cup, die Assemblée Nationale für den Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie oder die Champs Elysées für die Eröffnung der neuen Verkaufsräume für Citroën eingesetzt.

Vor der Show für Citroën berechnete Villière sogar, wie sich der Scheinwerfer vom Eiffelturm so umlenken ließ, dass er bei jeder Umdrehung den luxuriös gestalteten Verkaufsraum anstrahlte. Dazu stieg er nachts auf den Turm und machte Fotos, die der er dann mit seinem SketchUp Modell des Gebäudes überlagerte. Anschließend renderte er den genauen Belichtungseffekt mit Photoshop.

"J'adore cette machine"

Villière setzt das "multi" in Multimedia konsequent um. Als Absolvent der renommierten französischen École Nationale Supérieure des Beaux Arts beherrscht er Skulptur, Architektur und Grafikdesign gleichermaßen. In einem typischen Villière-Projekt verschmelzen Kunst, Architektur, Fotografie, Animation und 3D-Modellierung mit einer guten Prise Extravaganz.

Häufig erarbeitet er gigantische Live-Events wie die Airbus Präsentation oder originelle Ausstellungen und großformatige Anzeigen. Er ist ein Meister der Disziplin, die man in Frankreich als "Scénographie", also perspektivische Darstellung, bezeichnet. Wie ein Regisseur konzipiert er Aussehen, Inszenierung, Konstruktion und Produktion seiner Multimedia-Ereignisse für Unternehmen und gemeinnützige Organisationen.

Villière entwickelt jedes seiner Projekte vom Konzept bis zur Ausführung auf seinem Mac. Er sagt: "Je passe ma vie devant mon Mac. Tout est centralisé - c'est ce que j'adore avec cette machine." ("Ich verbringe mein Leben vor meinem Mac. Alles ist zentralisiert - das gefällt mir so an diesem System.") Für jemanden, der ständig zwischen verschiedenen Kunstformen, Medien und Programmen hin- und herwechselt, ist der Mac die perfekte Lösung. "Mit dem Mac", so Villière, "sind meinen Designideen keine Grenzen gesetzt."

In großem Rahmen

Die Feier anlässlich der Vorstellung des zweistöckigen Airbus 380 mit Platz für bis zu 850 Passagiere zog viel Aufmerksamkeit auf sich. 5.000 geladene prominente Gäste fanden sich in einer riesigen Lagerhalle in Toulouse zusammen. (Keine der vorhandenen Einrichtungen war groß genug, sodass Airbus für den A380 extra eine neue Fertigungshalle baute.) Mit dem französischen Präsidenten Jacques Chirac, dem britischen Premierminister Tony Blair, Kanzler Gerhard Schröder und dem spanischen Premierminister José Luis Rodriguez Zapatero waren sogar vier europäische Staats- und Regierungschefs anwesend, die von den Journalisten umlagert wurden.

"Man muss sich einfach bewusst sein, welches Ausmaß diese Show hatte", sagt Villière lachend. "Alles auf der Bühne war ebenso groß und überdimensional wie das Flugzeug selbst."

Zu seiner Inszenierung gehörten Sänger, Tänzer und übergroße Nachbildungen gewöhnlicher Haushaltsgegenstände, die auf die Größe des Flugzeugs hindeuteten. Auf einer acht Meter hohen und zehn Meter breiten buchähnlichen Installation waren Bilderbuchillustrationen zu sehen, bei denen es sich in Wirklichkeit um projizierte Bilder handelte. Das Herzstück der Show aber war die Flugmaschine.

Flugmaschine

Villière sollte die Idee vom Fliegen künstlerisch umsetzen. Dafür gestaltete er eine wunderliche Flugmaschine, die auch der Fantasie eines verrückten Erfinders wie Jules Verne (oder Leonardo da Vinci) entsprungen sein könnte. Die aus mehreren Teilen bestehende Konstruktion erinnerte zwar an die allerersten Flugzeuge, wirkte aber dennoch außerordentlich futuristisch. Sie hatte altmodische Propeller und halbdurchsichtige Flugel, die an Fledermäuse oder Vögel erinnerte. Diese "Tragflächen" waren von innen beleuchtet und ahmten den Flügelschlag nach. Die 14 Meter große Konstruktion hing von der Decke und übte mit ihren beweglichen Elementen aus Holz, Kunststoff und Stahl eine ganz besondere Faszination auf das Publikum aus - so als stamme sie aus einem Märchenbuch.

Damien Villière in seinem privaten Studio

Hinter diese Konstruktion wurden gigantische Wolken, Flugzeuge und himmelblaue Farbelemente in HD projiziert. Da er mit den Ergebnissen, die eine traditionelle Videoproduktion bot, nicht zufrieden war, erstellte Villière die Bilder auf seinem Mac, druckte sie auf hochauflösenden Film und verwendete einen analogen Projektor, um sie auf eine 80 x 20 Meter große Leinwand zu werfen. Die großformatige PIGI-Projektionstechnik ist eine Weiterentwicklung der "Laterna magica" aus dem 17. Jahrhundert.

"Ziel der Flugmaschine und der Projektionen war es, starke Bilder zu erzeugen, bevor das eigentliche Flugzeug gezeigt wurde," so Villière. "Alles war irgendwie überdimensioniert, damit es zum größten Flugzeug der Welt passte."

Als der große Moment gekommen war, zogen drei Kinder an einer Leine - ein riesiger Vorhang, der durch Elektromagneten gehalten wurde, fiel imposant zu Boden und enthüllte den gigantischen A380.

 
 
 
 

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