Graham Watson: Ausreißer der besonderen Art
Schärfere Arbeitsbedingungen durch die Digitaltechnologie
Seit seinem Wechsel zur Digitalfotografie vor fünf Jahren hat Watson festgestellt, wie wichtig es ist, auch nach dem Rennen anwesend zu sein und im Medienraum eine "zweite Schicht" von etwa drei Stunden einzulegen, um die Aufnahmen der Tagesproduktion zu sortieren, die besten Aufnahmen auszusuchen und den Kunden zu senden.
"Vor 20 oder 30 Jahren fuhr ich einfach zur Tour de France und kam nach drei Wochen mit 40 Filmrollen im Gepäck zurück", sagt er. "Niemand wollte die Bilder sofort haben – das Warten gehörte einfach mit dazu. Doch mit der Digitalfotografie ist alles anders geworden."
Bei der Bearbeitung achtet Watson darauf, die Anzahl seiner Fotos auf ein Minimum zu reduzieren. Aber dennoch steigt er täglich mit 300 Original-JPEG-Bildern vom Motorrad. Er verwendet die Aperture Software, um seine Ausbeute so schnell und effizient wie möglich zu sichten und zu sortieren. "Eine meiner Lieblingsfunktionen von Aperture ist das Stapeln", sagt er. "Sportfotografen schießen Serienbilder, etwa acht Aufnahmen in jeweils einer oder zwei Sekunden. Aperture erkennt, wann diese Fotos aufgenommen wurden, und teilt sie in gruppierte Serien auf. Dadurch kann ich im Handumdrehen die besten Bilder einer bestimmten Strecke des Rennens heraussuchen."
Watsons meisterhafte Aufnahmetechnik, die er auf sein frühes, hartes Training zurückführt, trägt ebenfalls zu seinem effizienten Nachbearbeitungs-Workflow bei. "Natürlich bin ich nicht perfekt, aber dennoch muss ich mit meinen Aufnahmen nicht mehr allzu viel tun", erklärt er. "Dank meiner Anfänge als Portraitfotograf sind meine Bilder recht gut, was ihre Komposition anbelangt, und meine Ausleuchtung ist genau richtig. So kann ich die Bilder einfach nach der Qualität ihrer Motive auswählen."
Wenn er ein Foto anpassen möchte, leistet ihm Aperture wertvolle Dienste. Auch das Werkzeug für die Begradigung von Horizonten schätzt Watson sehr: "Wenn eine Aufnahme nicht ganz horizontal ist, ist das Werkzeug für die Horizontbegradigung einfach genial. Aber es ist auch möglich, eine an sich perfekt gelungene Aufnahme noch spektakulärer wirken zu lassen, in dem man ihren Winkel verändert."
Harter Wettbewerb
Mit der weltweit zunehmenden Beliebtheit des Radsports wird der Wettbewerb unter den 200 Tour-Fotografen, von denen 15 auf Motorrädern unterwegs sind, fast so intensiv wie das Rennen, das sie dokumentieren.
"Die größte Herausforderung besteht heute darin, im Geschäft zu bleiben, denn die Digitaltechnologie hat die Welt der Radsportfotografen für jedermann geöffnet", so Watson. "Und die Konkurrenz wird immer größer. Die professionellen Fotografen gibt es immer noch, weil sie Auftraggeber, Verträge und Zugang zu den wichtigsten Rennen haben. Aber allmählich wird es eng. Und nicht jeder weiß den Unterschied zwischen einem guten Bild und einem sehr guten Bild wirklich zu schätzen."
Trotz der längeren Arbeitszeiten und des verschärften Wettbewerbs kommt für Watson in absehbarer Zeit keine berufliche Veränderung in Frage. "Ich verwende die Fotografie als Ausrede für meine Reisen und genieße all die Abenteuer, die damit verbunden sind", schwärmt er. "Ich bekomme viel von der Welt und von einem wunderbaren Sport zu sehen. Ich weiß, ich bin bei einer großartigen Sache dabei."

