1:1-Computerunterricht ist ein Trend für die Schule von morgen. Jede Schülerin, jeder Schüler hat einen Computer im Klassenzimmer und schult so wichtige Kernkompetenzen für den Berufsalltag. In der Schweiz setzen erst wenige Schulen auf den 1:1-Computerunterricht. Eine davon ist die Berufsfachschule Wirtschaft an der Kantonsschule Trogen.
Nicht jede und jeder lernt gleich. Die eine will mehr, der andere weniger geführt werden; die eine will selbstständiger, der andere geführt arbeiten. Lernen ist so individuell wie die Lernenden. Das ist die Philosophie und Idee hinter dem 1:1-Computerunterricht und unterscheidet sich grundsätzlich davon, wie die meisten von uns gelernt haben. Ziel ist es, Schlüsselqualifikationen wie Kreativität, Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit, Selbstständigkeit, Medienkompetenz oder vernetztes Denken stärker zu fördern als bisher. Letztendlich geht es darum, die Lernenden zu lehren, ein Leben lang zu lernen, und sie so besser auf das Leben nach der Schule vorzubereiten. Damit führt der 1:1-Computerunterricht (ein Rechner für jede Lernende und jeden Lernenden) zu einem Paradigmenwechsel.
Die Ergebnisse in Maine sprechen für sich
Zu den Pionieren des 1:1-Computerunterrichts gehört beispielsweise der Bundesstaat Maine im Nordosten der USA. Im März 2002 beschloss Gouverneur Angus King, alle Mittelschülerinnen und -schüler (siebter und achter Grad) sowie ihre Lehrerinnen und Lehrer mit mobilen Computern auszurüsten. Die rund 40'000 iBook wurden identisch konfiguriert, in allen Schulzimmern wurden drahtlose Netzwerke eingerichtet, die „Maine Technology Learning“-Initiative wartete die Infrastruktur und beriet sowohl Lernende als auch Unterrichtende, wenn sie Fragen oder technische Probleme hatten. Diese damals ehrgeizigste Initiative für den Einsatz von Computern im Bildungsbereich galt in den USA als Testlauf dafür, ob und wenn ja wie sich der 1:1-Computerunterricht durchsetzen kann.
Der Eingang zum Campus der Kantonsschule Trogen
80 Prozent aller Unterrichtenden bestätigen, sie könnten ihren Unterricht besser individualisieren und auf die einzelnen Lernenden eingehen, 90 Prozent sind überzeugt, sie könnten mehr in die Tiefe gehen. Auch das Verhalten der Lernenden hat sich verändert: Neun von zehn Unterrichtenden sagen, die Lernenden würden engagierter lernen und die Qualität ihrer Arbeiten sei besser. Ausserdem würden sie schneller grössere Fortschritte machen, weil sie aktiver lernen und die Schule häufiger besuchen. Das alles führt zu (im Durchschnitt) steigenden Noten. Doch das ist für Bette Manchester, Director of Special Projects im Maine Department of Education, nicht das entscheidende Argument: „Die Lernenden entwickeln sich zu Menschen, die ein Leben lang lernen, vernetzt denken und Probleme lösen.“
Für das Leben lernen, nicht für die Schule
Die Schweiz ist nicht so weit wie Maine. Doch es gibt einzelne Schulen, die bereits auf den 1:1-Computerunterricht setzen. Zum Beispiel die Berufsfachschule Wirtschaft an der Kantonsschule Trogen. Die praxisnahe und projektorientierte Ausbildung schliesst nach drei Jahren mit einem Diplom oder nach vier Jahren mit der Berufsmatura ab. Neue Lernformen, selbstständiges Arbeiten im Team und allein, gute Kenntnisse in der Informatik und ein solides Grundwissen sollen die Voraussetzungen für ein lebenslanges Lernen schaffen. Damit decken sich die Ausbildungsziele der Berufsfachschule Wirtschaft mit der Philosophie hinter dem 1:1-Computerunterricht. Das bestätigt auch ein Blick in das Klassenzimmer der Klasse 4w.
Lehrer Yuri Staub, der nebenbei Manschettenknöpfe über das Internet verkauft, will mit seinen Schülerinnen und Schülern erarbeiten, wie und wo sie Informationen über einen neuen Geschäftspartner finden können. Er doziert nicht, er stellt Fragen, die Schülerinnen und Schüler suchen Antworten. Nicht in einem Buch, nicht in ihren Unterlagen, sondern im Internet. Doch wo finden sich diese Informationen, welche sind zugänglich, welche sind verlässlich, wie interpretiert man sie? Die Schülerinnen und Schüler suchen, tauschen sich aus, verrennen sich, suchen weiter, helfen sich gegenseitig. Der Lehrer hilft wenig, gibt nichts vor, stellt als Mentor nur ab und zu eine Frage. So finden sie Schritt für Schritt alle Informationen, werten sie aus und werden sich später an jeden einzelnen Schritt erinnern.
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