Die Informatikdienste der Universität Zürich stellen den Studierenden und Mitarbeitenden viel Software zur Verfügung. Weil der administrative Aufwand für die Verteilung immer grösser wurde, suchte David Meier nach einer einfacheren Lösung. Er fand sie, dank Gideon Chonia, in Afrika.
Sein Lachen ist ansteckend. Und Gideon Chonia lacht gerne und oft. Vor allem, wenn er über seine Heimat erzählt. Chonia ist Ghanaer und lebt seit vielen Jahren in Zürich. Er arbeitet für die Informatikdienste der Universität Zürich und unterstützt dort alle Webmaster. Obwohl er schon so lange in der Schweiz lebt, hat er seine Wurzeln nie vergessen. Im Gegenteil: Seit den 80er Jahren sammelt er Computer, die bei uns ausgedient haben, und verschifft sie nach Ghana.
Gideon Chonia an der "Softwaretankstelle"
In der Hauptstadt Accra hat Chonia ein Verteilzentrum auf- und zum Schulungszentrum ausgebaut. Im «Free and Open Source Software Ressource Center» lernen ghanaische Lehrer, wie sie ihr Informatikgrundwissen ihren Schülern weitergeben. Informatiker aus Europa und den USA, die sich einen Monat lang freiwillig engagieren, bilden sie nach dem Prinzip «train the trainees» aus. Für sein Engagement wurde Gideon Chonia mit dem «African ICT Achievers Award» geehrt.
Open Source eröffnet den Menschen in Afrika neue Perspektiven
Chonia installiert auf allen Computern Linux und Open-Source-Software. «Die Menschen können sich keine Software leisten», erklärt er, warum. Das ist auch die Idee hinter dem Freedom Toaster, von dem Chonia begeistert erzählt: «Viele haben keine oder nur eine langsame Internetverbindung und können sich darum keine Software herunterladen. Dank des Freedom Toasters brennen sie die Programme, die sie brauchen, auf eine CD-ROM oder DVD-ROM.»
Der Freedom Toaster sieht aus wie eine Jukebox. Die mobile Brennstation wird in Südafrika an Schulen oder stark frequentierten öffentlichen Plätzen aufgestellt. Dort können alle Open-Source-Software und andere freie Inhalte auf mitgebrachte CD- oder DVD-Rohlinge brennen. Natürlich kostenlos. Das Projekt wird vom britisch-südafrikanischen Millionär Mark Shuttleworth finanziert, der unter anderem Ubuntu entwickelt hat, ein Linux-Betriebssystem, das auf Debian basiert.
Eine Kaffeepause stand am Anfang der Idee «Softwaretankstelle»
Eines Tages erzählte Chonia während einer Kaffeepause vom Freedom Toaster. David Meier, stellvertretender Leiter Benutzerdienste, war fasziniert – genau so eine Lösung brauchten die Informatikdienste, um ihre Software an Studierende und Mitarbeitende zu verteilen. Bisher bestellten alle ihre Programme über das Internet, im Sekretariat musste jemand die Programme auf eine CD-ROM oder DVD-ROM brennen und diese mit der internen Post verschicken.
Meier und Chonia entwickelten die Idee der Softwaretankstelle, Chonia versuchte, ein Programm in Linux zu entwickeln, das die Software zentral und einfach über eine stationäre Brennstation verteilt. «Gideon stiess rasch an die Grenzen von Linux», erzählt Meier, «und warf das Handtuch. Doch ich wollte unsere Idee nicht aufgeben und suchte einen anderen Weg.» Die Suche hat sich gelohnt, der stellvertretende Leiter Benutzerdienste hat einen Weg gefunden.


