Seit dem 1. September gibt es, neben den üblichen Führungen, auch elektronische Ausstellungsführer. Wer sein Tempo selber bestimmen will, leiht sich einen der 150 iPods aus, welche die Data Quest AG zur Verfügung gestellt hat, und bewegt sich selbstständig durch die zwei Stockwerke. Sprecherinnen und Sprecher erzählen aus dem Leben Einsteins, erklären seine Theorien; Interviews machen das Museumserlebnis noch lebendiger; Musik setzt Akzente, vermittelt eine Stimmung, gliedert die Tour. Die Audioguides sind in Deutsch, Französisch, Englisch, Italienisch, Spanisch, Japanisch und, als Reverenz an Einstein, Hebräisch erhältlich. Besucherinnen und Besucher wählen zwischen zwei Modi: Der eine führt sie von A bis Z, entlang 69 kommentierter Informationspunkten (Räume, Vitrinen und Bildtafeln), durch die ganze Ausstellung, der andere lässt sie die Punkte frei anwählen. Je nach Rhythmus dauert der Gang durch Einsteins Leben und Werk eineinhalb bis zweieinhalb Stunden.

Erik Thurnherr hat den Audioguide konzipiert, entwickelt und realisiert.

 

Die Audioguides stossen auf reges Interesse, wie Peter Jezler bestätigt: «Wir leihen im Moment jeden Tag 50 bis 130 iPods aus.» Die Besucherinnen und Besucher, ob jung oder alt, haben offenbar keinerlei Probleme mit den Audioguides. «Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erklären kurz, wie der iPod funktioniert, das genügt; ab und zu fragt jemand nach, wie er den Audioguide ausschalten kann, mehr nicht», berichtet der Museumsdirektor über die ersten Erfahrungen, «bisher hatten wir keine einzige negative Reaktion, alle sind begeistert – unsere Besucherinnen und Besucher loben vor allem Inhalt und Gestaltung des Audioprogramms, die Musik und die Benutzerfreundlichkeit des iPods». Für Jezler sind die einfache Bedienung, die grosse Speicherkapazität, die hohe Tonqualität und das coole Design die wichtigsten Pluspunkte des iPod als Audioguide.

Das Historische Museum Bern setzt Trends
Erik Thurnherr, der den Audioguide konzipiert, entwickelt und realisiert hat, weist noch auf einen anderen Punkt hin: «Viele Leute kennen den iPod, haben vielleicht selber einen, und wissen, wie er funktioniert. Er ist ein Standardprodukt, das ist ein Vorteil gegenüber anderen Audioguide-Systemen, die viel mehr kosten.» Neben dem Historischen Museum Bern bieten nur das Museum of Modern Art in New York, das Mori Art Museum in Tokio und das Château de Chenonceau bei Paris einen iPod als elektronischen Ausstellungsführer an. Thurnherr, Wissenschaftsjournalist und ehemaliger MTW-Redaktor, sieht zahllose Einsatzmöglichkeiten für den iPod: «Stadtführungen, Touristeninformationen, Museen, ... gerade in grösseren Gebieten wäre es allerdings hilfreich, wenn der iPod ferngesteuert werden könnte, beispielsweise über WLAN oder Infrarot. Daran arbeiten wir im Moment.»

“Unsere Besucherinnen und Besucher loben vor allem Inhalt und Gestaltung des Audioprogramms, die Musik und die Benutzerfreundlichkeit des iPods.”


Peter Jezler, Historisches Museum Bern

Ideen für weitere Audioguides hat Erik Thurnherr viele. Zunächst wird er aber ein paar Beiträge für das Fernsehen drehen – er arbeitet nicht nur für seine eigene Firma Texetera GmbH, die er im Sommer 2005 gegründet hat, sondern in einem Teilzeitpensum auch noch für nano, die Wissenschaftssendung auf 3sat. Das Historische Museum Bern hat ihn für weitere Projekte angefragt, vielleicht ergibt sich daraus etwas. Auf alle Fälle möchte Thurnherr weiterhin Audioguides konzipieren, entwickeln und realisieren, natürlich auf einem iPod. Nun macht er sich daran, Aufträge zu akquirieren. An überzeugenden Argumenten sollte es ihm, dank Albert Einstein, nicht fehlen.

Fotos: Historisches Museum Bern / Franziska Scheidegger


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