PANTONE Leitfaden zur Kommunikation mit Farben
Farben fühlen
"Von Negligés über Sportwagen bis hin zu Nahrungsmitteln: Rot regt jegliche Art von Appetit an. Es stimmt durchaus, dass die Farbe Rot erregend wirken kann."
Leatrice Eiseman
Die Farben, die wir sehen, werden immer durch unsere Gefühle beeinflusst. Von frühester Kindheit an, wenn wir erstmals Farben wahrnehmen, beginnen wir damit, unsere Gefühle zu Farben zu formen, die wir bis ins Erwachsenenalter übernehmen. Einige Experten glauben, dass Menschen eine "alte Weisheit" besitzen, dass wir im Verlauf von Äonen der Evolutionsgeschichte ein assoziatives Erinnerungsvermögen zu Aspekten wie Raum, Form, Mustern und Farben entwickelt haben.
Illustration © Jan Butler
Unsere Kindheitserinnerungen sind in so starkem Maße farbgeprägt, dass sie für immer unauslöschlich ihren Stempel auf unserer Seele hinterlassen haben. Wir selbst sind uns vielleicht gar nicht bewusst, dass wir uns an die Farben erinnern, die mit einem bestimmten Ereignis in Verbindung stehen, aber die Aufnahmegeräte in unserem Kopf sind immer eingeschaltet. Selbst als Erwachsene reagieren wir weiterhin auf bestimmte Farben positiv oder negativ.
Auch unser kultureller Hintergrund und unsere Traditionen beeinflussen unsere erlernte Reaktion auf Farben. So glauben indianische Völker zum Beispiel daran, dass Grün die Farbe der Harmonie ist. Wenn Sie (oder Ihr Kunde) im Glauben daran erzogen wurden, dass Grün für Harmonie steht, ruft eine Verwendung dieser Farbfamilie - unabhängig vom wie und wo - eine positive Reaktion hervor.
Interkulturell gesehen gibt es einige allgemeine Aussagen, die sich zur menschlichen Reaktion auf Farben machen lassen, insbesondere weil die psychologischen Assoziationen und die physiologischen Reaktionen auf Farben universell sind. Warum zum Beispiel ruft Rot immer Aufmerksamkeit hervor? Warum ist Rot in jeder gesprochenen Sprache die erste Farbe, die nach Schwarz und Weiß genannt wird? Diese Assoziation geht zurück auf den Beginn der Zeit: Rot wird mit Blut und Feuer assoziiert, also mit zwei sehr wichtigen Elementen, die unerlässlich für das Leben sind.
Bild © Don Paulson
Farbfamilien: Rot
Die Hypophyse reagiert, wenn sie rot sieht.
Eine chemische Reaktion wird an unser Nebennierenmark gesendet, daraufhin wird das Hormon Epinephrin freigesetzt. Dieses Hormon verändert die gesamte Körperchemie - wir atmen schneller, Blutdruck, Pulsschlag und Herzschlag steigen, die Adrenalinzufuhr und der elektrische Hautwiderstand (eine originelle Bezeichnung für die Schweißabsonderung und die Grundlage von Lügendetektortests) werden erhöht. Diese Reaktionen sind rein physiologischer Natur, und wir haben absolut keine Kontrolle darüber. Deshalb hat sich Rot im menschlichen Gehirn unauslöschlich mit den Konnotationen "Erregung" und "hohe Energie" eingeprägt.
Warme Farbtöne gelten als Farben mit hohem Erregungspotenzial, und insbesondere Rot erzeugt bei Menschen die höchste Erregungsschwelle. Deshalb regt die Farbe Rot von Negligés über Sportwagen bis hin zu Nahrungsmitteln Sinne aller Art an. Es stimmt durchaus, dass die Farbe Rot erregend wirken kann. In gedruckten Materialien oder in Verkaufsräumen kann man Rot fast gar nicht übersehen oder ignorieren. Die Farbe ist aggressiver Natur, sie erwartet Aufmerksamkeit und fordert Aktivität.
Bild © Don Paulson
Werden Rottöne zu Weinrotschattierungen vertieft, behalten sie zwar die angeborene Erregung der nächsten Primärfarbe oder "Mutterfarbe" bei, von der sie abstammen, aber sie sind gebändigter. Kunden empfinden diese Rottöne als satt, ansprechend, teuer. Dieser Farbton wirkt respekteinflößender, reifer, opulenter und eleganter als ein leuchtendes Rot.
