Electric Entertainment. Postproduktion bei Leverage

Seit der Premiere der Serie Leverage auf TNT im Dezember 2008 sind die Zuschauerzahlen von Staffel zu Staffel gestiegen – eine echte Leistung in einem hart umkämpften Markt.

Deshalb gab es für Electric Entertainment, das Studio, das Leverage produziert, eigentlich keinen Grund, sein Erfolgsrezept zu verändern. Für die Serie war bereits ein durchgängig Final Cut Pro basierter Workflow entwickelt worden, der in der Branche seinesgleichen suchte. Doch dann sah Dean Devlin, Regisseur von Leverage und Chef von Electric Entertainment, das neue Final Cut Pro X und entschied sich, die Postproduktion der 5. Staffel darauf aufzubauen. Devlin war überzeugt, dass das neue Schnittmodell und die herausragende Performance von Final Cut Pro X einen noch schnelleren und flexibleren digitalen Workflow ermöglichen würden.

Höhere Qualität

Das zeigt sich schon in den ersten Ergebnissen vom Set. „Wir waren und sind eine äußerst ambitionierte Serie“, so Devlin. „Zwar lag unsere Produktionsqualität schon vor der der meisten anderen Sender, aber wir wollten in diesem Jahr noch besser werden. Wir drehen jetzt mit RED EPIC Kameras in 4K, was viel größere Dateien mit besserer Bildqualität bedeutet. Und wir haben uns als Herzstück unseres Workflows für Final Cut Pro X entschieden. Durch diesen Wechsel hat sich unsere Herangehensweise an die Postproduktion verändert, und zwar sowohl in technologischer als auch in kreativer Hinsicht.“

„Die Magnetic Timeline funktioniert bestens für mich. Ich schneide viel in der Timeline und mache mir nie Gedanken über die Synchronität.“Die Postproduktion der neuen Folgen von Staffel 5 befindet sich noch in der Anfangsphase, doch schon jetzt ist Devlin von seiner Entscheidung für den Wechsel überzeugt. „2007 hatten wir uns für Final Cut Pro entschieden und uns damit einen großen Vorsprung vor der Konkurrenz verschafft“, erinnert er sich. „Es war flexibel, sparte jede Menge Zeit und Geld und gab uns kreative Impulse in Richtungen, die wir zuvor nicht einschlagen konnten. Da wir damals so gute Erfahrungen gemacht hatten, war für mich klar, dass wir es noch einmal versuchen. Und nach dem, was ich bisher gesehen habe, zahlt sich dieser Schritt auch aus.“

Dateibasierter Workflow

Sogar in dieser frühen Phase der Produktion profitiert die Serie Devlin zufolge von der höheren Performance und der größeren Flexibilität von Final Cut Pro X.

„Für uns zeigt Final Cut Pro X, wie einfach und kostengünstig ein leistungsstarker dateibasierter Workflow implementiert werden kann“, so Devlin. „Wir konnten bei Leverage Dinge umsetzen, die es bei keiner anderen Serie im Kabelfernsehen gibt – einfach weil unser komplett digitaler Workflow uns die Möglichkeit dazu bietet. Es passiert nicht oft, dass in einer Fernsehserie durchschnittlich 40 digitale Effekte pro Folge vorkommen. Oder dass der Ton in vier oder fünf Tagen abgemischt wird. Für uns ist das kein Problem und wir können trotzdem eine Folge mit einem Budget von ungefähr 1,8 Mio. US-Dollar produzieren. Es ändert sich aber nicht nur die Kostenseite, sondern auch die kreative Arbeit. Wir müssen nicht warten, bis der Schnitt final ist, um mit den digitalen Effekten loszulegen.“

Das Team von Electric Entertainment synchronisiert Bild und Ton in einem Schritt mithilfe eines Stapelverfahrens des Intelligent Assistance Programms Sync-N-Link X, das die neue Metadatenfunktionalität von Final Cut Pro X nutzt. So kann die Fülle der Aufnahmen, die jeden Tag vom Set in Portland eingehen, bewältigt werden.

Dean Devlin prüft einen Rohschnitt in Final Cut Pro X.

Immer im Zeitplan

Der Produktionszyklus für Leverage läuft von der ersten Märzwoche bis etwa Mitte August. Devlin und die anderen Regisseure der Serie drehen alle 15 jeweils eine Stunde langen Folgen in Portland. Während dort weiter gedreht wird, werden die Dateien nach Hollywood geschickt und von drei Cuttern und fünf Assistenten geschnitten. Für die Postproduktion stehen 10 bis 11 Wochen zur Verfügung.

Der erfahrene Cutter Brian Gonosey, der die erste Folge der 5. Staffel in Final Cut Pro X schneidet, kennt die knappen Postproduktionszeiten im Fernsehbereich nur zu gut. „Die Folge, die ich gerade schneide, wird als erste ausgestrahlt“, so Gonosey. „Letzte Woche habe ich dem Regisseur einen Live-Schnitt gezeigt und arbeite noch eventuelle Änderungen ein, bevor diese Woche dann alles an den Sender geht.“

Es überrascht nicht, dass die Geschwindigkeit für Gonosey eines der wichtigsten Ergebnisse des Wechsels zu Final Cut Pro X ist. „Mit der deutlich schnelleren Engine geht alles, was ich mache, noch schneller. Wir drehen viel Material in 4K und die Tagesaufnahmen sind in HD. Wir brauchen also wirklich jedes Quäntchen Power, das unsere Systeme bieten“, so Gonosey. „Wir schneiden jetzt seit drei Wochen und konnten bisher jeden Termin und Zeitplan einhalten.“

Schnelle Schnitte

Als langjähriger Filmschnittprofi interessierte sich Gonosey besonders für das neue Schnittmodell des Programms. „Da ich in der Timeline arbeite, war der Umstieg auf Final Cut Pro X reibungslos“, erzählt er. „Die Magnetic Timeline funktioniert bestens für mich. Ich schneide viel in der Timeline und mache mir nie Gedanken über die Synchronität. Und mit dem neuen Tool zum Trimmen geht einfach alles schnell. Ich kann damit die Waveforms viel effizienter bearbeiten, den Dialog reinnehmen und viel Ton rausschneiden. Die neuen Schnitt-Tools waren also wirklich nützlich.“

Weitere Features

Bei der Postproduktion greifen Gonosey und Electric Entertainment auf eine Sammlung leistungsstarker neuer Tools zurück, die in Final Cut Pro X integriert sind. „Wenn am Set etwas mit einer Kamera nicht stimmt, etwa eine unterschiedliche Bildwirkung von einer Aufnahme zur nächsten, können wir das mit den integrierten Tools für die Farbkorrektur beheben. Und gerendert wird fast ohne Verzögerung.“

Gonosey fand auch eine unerwartete Verwendung für Auditions, ein neues Final Cut Pro X Feature, das es Cuttern ermöglicht, schnell zwischen alternativen Aufnahmen in der Timeline zu wechseln. „Einmal habe ich viel Musik für eine bestimmte Szene temporär eingesetzt und an meinen Musikcutter gegeben. Was ich dann von ihm zurückbekam, war im Grunde eine flüssigere, strukturiertere Version meiner Arbeit, manchmal mit völlig anderen kreativen Entscheidungen. Es war toll, dass ich einfach seine Musikschnitte nehmen, über meinen hinzufügen und dann abspielen konnte – das ist eine saubere Lösung, um sowohl meine als auch seine Arbeit gleichzeitig in der Timeline zu haben.“

Leverage Regisseur Dean Devlin erzählt, dass die Produktionsteams mit mehreren Kameras drehen, die in der Postproduktion mit dem neuen Multicam Feature von Final Cut Pro X verarbeitet werden. „Wir haben vor Kurzem eine Explosion in einem Auto mit neun Kameras gleichzeitig gedreht“, so Devlin. „Normalerweise drehen wir mit mindestens zwei Kameras, manchmal auch drei. Wir verlangen dem Programm also einiges ab. Wenn diese Software mit Leverage fertig wird, schafft sie alles.“

Passgenau

Gonosey schätzt, dass sich 95 % des Workflows bei Produktion und Postproduktion der 5. Staffel geändert haben, angefangen bei der Verwendung neuer Kameras über neue Drehorte in Portland bis hin zur Arbeit mit einer neuen Software für Farbkorrektur und Tonabmischung in Hollywood. Kernstück des neuen Workflows war Final Cut Pro X. In Anbetracht des Umfangs dieser Änderungen sieht Gonosey es als beträchtliche Leistung des Cutterteams an, die hohe Produktionsqualität der Serie zu liefern und trotzdem sämtliche Termine einzuhalten.

„Es ist nicht Sinn der Sache, etwas zu schneiden, damit die Zuschauer dann sagen ‚Oh, hier wurde aber viel geschnitten‘. Sie sollen gar nicht den Eindruck haben, dass hier Hand angelegt wurde“, findet Gonosey. Final Cut Pro X, so Gonosey, ermögliche es ihm, seiner Kreativität bei der Produktion der Folgen freien Lauf zu lassen und dennoch eine wirklich gut aussehende Serie abzuliefern.

Starkes Finish

Wenn der Sender den Schnitt von Gonosey genehmigt, gilt dieser als final. Die fertigen XML-Dateien werden dann für die Farbkorrektur an DaVinci Resolve gesendet und die Tonabmischung erfolgt über Marquis X2Pro Audio Convert mit Pro Tools. Die nahtlose Integration von Final Cut Pro X in die Finishing-Suites des Studios war ganz entscheidend für den Leverage Workflow.

„Final Cut Pro X hat zunächst unseren Schnittansatz komplett verändert“, so Devlin. „Die wichtigste Verbesserung seit der ersten Version des Programms ist aber, dass Final Cut Pro jetzt auf eine Art in einen professionellen Workflow eingebunden werden kann, wie es zuvor nicht möglich war.“