Knut Hake. Videoschnitt für Danni Lowinski

Seit Ausstrahlung der ersten Folge im April 2010 hat sich Danni Lowinski zu einer der beliebtesten Serien im deutschen Fernsehen entwickelt. Sie bekommt fantastische Kritiken und wurde u. a. als beste Serie und beste Comedyserie ausgezeichnet. Die Idee und der Witz der Serie kamen beim Publikum sofort gut an und machen sie zu einem der Erfolgsprogramme auf SAT.1. Annette Frier spielt darin die Friseurin Danni, die an der Abendschule ihren Juraabschluss gemacht hat, aber nach ihrem Examen keine Anstellung in einer Anwaltskanzlei findet. Kurz entschlossen eröffnet sie einen kleinen Stand in einem Einkaufszentrum und bietet dort Rechtsberatung für einen Euro pro Minute an.

Produziert wird das Format von Phoenix Film, einer Produktionsfirma, die gut darauf vorbereitet war, einer möglichen Nachfrage nach vielen Folgen gerecht zu werden. Von Anfang an setzte man bei Produktion und Post-Produktion auf modernste Tools wie RED One Kameras und Final Cut Pro, die von einigen der besten Talente der Branche genutzt werden, darunter von dem Freelance-Cutter Knut Hake. Seit 1999 hat Hake dutzende Serien, Filme, Werbespots und Kurzfilme geschnitten. 2004 wurde eine von ihm geschnittene Folge der Fernsehserie Berlin, Berlin mit dem International Emmy Award ausgezeichnet.

Hake schnitt mehrere Folgen der ersten beiden Staffeln von Danni Lowinski mit Final Cut Pro 7, aber für die 3. Staffel, die gerade auf SAT.1 läuft, fiel seine Wahl auf Final Cut Pro X.

Schneller Schnitt

Für Hake, der bereits seit Version 1 mit Final Cut arbeitet, war der Wechsel ganz einfach. „Wir haben vorher ein paar Tests mit Final Cut Pro X gemacht“, erzählt er. „Nach 2 Tagen hatte ich das Gefühl, die Tools zu beherrschen.“

Schnell fiel ihm auf, dass er mit Final Cut Pro X schneller arbeiten konnte als mit früheren Versionen oder jedem anderen Editing-Tool. „Unser Zeitplan ist enorm eng – wir waren noch beim Schneiden, als die ersten Folgen schon liefen“, erinnert er sich. „Die Schnittgeschwindigkeit mit Final Cut Pro X ist einfach fantastisch. Besonders das Trimmen ging sehr schnell und vieles kann direkt mit dem Pfeil-Tool gemacht werden.“

„Wir haben vorher ein paar Tests mit Final Cut Pro X gemacht. Nach 2 Tagen hatte ich das Gefühl, die Tools zu beherrschen.“ Die Serie wird in Köln gedreht, doch den Großteil des Schnitts erledigte er in seinem Berliner Büro mit einem normalen iMac in Standardkonfiguration und Final Cut Pro X. Dort erstellte er die Rohfassung für alle Folgen der 3. Staffel und verwendete dafür ProRes LT Dateien, die per Festplatte vom Set in Köln übertragen wurden. „Ich hab ProRes LT genommen, weil die Auflösung einfach fantastisch ist“, so Hake. „Regisseure lieben das Format, weil sie so wirklich sehen, wie das Endprodukt aussehen wird.“

Doch nicht nur das Schneiden selbst ging schneller. Die neuen Funktionen von Final Cut Pro X boten Hake auch einen direkteren Weg zur Story. „Ich hab gern mit der Magnetic Timeline gearbeitet, weil ich mich damit ganz auf die Story konzentrieren kann. Ich kenne andere Methoden zum Trimmen in Final Cut Pro 7 und auch in Avid, aber ich bin froh, dass ich damit in Final Cut Pro X nichts zu tun habe. Mir ist nur das Trimmen wichtig – um den Rest brauche ich mich nicht zu kümmern. Das hat mir sehr gefallen.“

Der Schnitt passt

Hake stellte auch fest, dass es mit Final Cut Pro X sehr viel einfacher ist, eine komplette Folge intakt zu schneiden.

„Jetzt kann ich eine ganze Folge schneiden. Das war mit anderen Schnittprogrammen schwer“, erzählt er. „Meist musste ich die Folgen auf 10-Minuten-Stücke zusammenschneiden, weil das besser funktionierte. Aber in Final Cut Pro X hat die Magnetic Timeline alles synchron gehalten, selbst bei einem Musikbett oder einer Umgebungsspur unter einer Szene. So konnte ich tatsächlich direkt in der 45-minütigen Folge schneiden. Und dabei war wirklich nie etwas nicht synchron. Das war richtig gut.“

Klingt gut

Da die Fernseh- und Produktionsteams der Serie selbst bei den Rohschnitten eine hohe Video- und Audioqualität erwarteten, nutzte Hake Final Cut Pro X auch, um schnell und effizient vorab gemixten Sound und Musik früh im Workflow bereitzustellen.

„Ich finde es klasse, wie ich direkt vom Programm aus auf die iTunes Mediathek zugreifen kann“, so Hake. „Das ist wirklich praktisch. Ich habe auch eine eigene Sound-Sammlung und kann darauf zugreifen, indem ich den Ordner direkt in den Bereich für Musik und Audioeffekte bewege.“

Daneben verwendete Hake auch einige der neuen Audio-Features wie das automatische Optimieren von Audio, Audio- und Gain-Anpassung und Fade-Hebel für Audioübergänge.

Copyright © SAT.1 / Frank Dicks

Kontinuierliches Storytelling

Nach Abschluss der Dreharbeiten kamen Hake und Regisseur Richard Huber in Köln zusammen, um den finalen Entwurf zu erarbeiten. „Für jede Folge mit 45 Minuten Länge habe ich während des 8-stündigen Drehtags allein und dann etwa dreieinhalb oder vier Tage zusammen mit dem Regisseur geschnitten“, erzählt Hake.

Für Huber hatte Final Cut Pro X einen großen Anteil daran, dass das Team die knallharten Terminvorgaben für die Serie einhalten konnte. „Es ist so übersichtlich“, sagt er. „Die kontinuierliche Automatisierung in Final Cut Pro X hält das Schneiden im Fluss, sodass man immer schneidet. Man wird nie unterbrochen. So konnten wir unsere Zeit dafür nutzen, Dinge zu bewerten und auszuprobieren, konnten auch mal in die falsche Richtung laufen und den Blickwinkel finden, der die ganze Zeit versteckt war.“

Dieser Workflow passt auch perfekt zu Hakes Schnittstil, wie Huber findet: „Bei Knut hört die Story nicht mit dem Ende der Dreharbeiten auf. Er ist immer auf der Suche nach dem Überraschungsmoment im Material. Er liest das Drehbuch einmal und lässt sich dann nur von den Bildern vor ihm und dem Gefühl leiten, das er sucht.“

Vom Bild zum Ton

Nachdem Hake und Huber den finalen Schnitt einer Folge fertiggestellt hatten, bereiteten Hake und sein Assistent die Medien mithilfe von Funktionen (Roles) für die finale Weitergabe an das Tonstudio vor. Zudem exportierten sie das Final Cut Pro X Projekt als XML, um es für Farbkorrektur und Finishing an DaVinci Resolve zu übertragen.

„Ich habe meinem Assistenten beim Exportieren für DaVinci und Pro Tools geholfen, und das ging ganz problemlos“, erzählt Hake. „Der Musiker und die Pro Tools Leute bekamen eine QuickTime Datei mit Dialogen und Effekten in einer Spur und der Layoutmusik in einer separaten Spur zusammen mit einer AAF-Datei. Diese Aufgabe war mit den Roles, einer sehr leistungsstarken Verwaltungsfunktion, ganz einfach.“

Blick in die Zukunft

Bevor er möglicherweise die 4. Staffel von Danni Lowinski schneidet, will Hake seinen erfolgreichen Final Cut Pro X Schnittworkflow bei seinem nächsten Projekt einsetzen. Dabei handelt es sich um Kreutzer kommt, einen 90-minütigen Fernsehfilm, wieder unter der Regie von Huber, der auf PRO7 ausgestrahlt wird.

„Der Film hat eine sehr komplexe Story mit vielen Personen“, erzählt Hake. „Und bei Final Cut Pro X dreht sich alles um die Story. Deshalb freue ich mich, dass ich mich auf die eigentliche Geschichte konzentrieren kann, ohne mir Gedanken zu machen, wie es geht. Ich mach es einfach.“