D-Fuse: Es lebe die Fusion
Musiker spielen auf Konzerten und Künstler stellen ihre Arbeiten in Galerien aus. Dies sind die seit langem etablierten und gängigen Arten, Kunst zu präsentieren. D-Fuse, ein in London ansässiges Studio, hingegen bricht mit diesen Konventionen. Das Kreativteam mischt Live-Auftritte mit Kunsteröffnungen und kombiniert Improvisationen mit sorgfältig angefertigten Kunstwerken zu explosiven Shows und eindrucksvollen Ausstellungen. "Wir sind nicht auf einen bestimmten Stil festgelegt und erkunden die Dinge gern aus konzeptioneller Sicht", erklärt Keri Elmsly, Produzent bei D-Fuse. "Man könnte sagen, unsere Arbeit ist vor allem grafisch angelegt, sie zeichnet sich aber auch durch filmische Elemente aus."
D-Fuse legt sich nicht auf einen Grafikstil oder eine Kunstform fest. Albumcover, Print-Werbung, TV-Spots, Kunstinstallationen, DVDs und Live-Shows mit VJs gehören zum Angebot des Studios. Seine Mitarbeiter kombinieren Medien verschiedenster Art miteinander - Videos, Grafikanimationen, Standbilder und Musik. Dabei setzen sie durchweg auf den Mac. "Apple Computer befreien uns von Zwängen", so Elmsly. "Die Technologie hat sich in den letzten sechs, sieben Jahren so dramatisch verändert, dass wir unser Repertoire erweitern und alle unsere kreativen Ideen umsetzen konnten."
D-Fuse hat unter anderem mit BMW, Nike, Beck, Nokia Trends, dem Londoner Sinfonieorchester, Fujitsu und vielen anderen Musikern, Unternehmen und Museen zusammengearbeitet. Das aktuelle Projekt des Studios trägt den Titel "VJ: Audio-Visual Art and VJ Culture". Dabei handelt es sich um eine 200-seitige Sammlung von Audio- und Videotechniken und Geschichten in Taschenbuchform. Das Buch gibt einen Überblick über die VJ-Kultur und ihre Praktiken und Methoden sowie eine ausführliche Anleitung. Grundlage dafür sind Projekte von D-Fuse und anderen Künstlern und die Hightech-Methoden, die ihnen zugrunde liegen. In gewisser Weise ist dieses Buch das Opus magnum von D-Fuse. Es gibt Impulse für eine Neuorientierung im Bereich digitaler Medien, eine Art Schlachtplan für Künstler auf der ganzen Welt. "Es ist ein Buch über die audiovisuelle Kultur", sagt Mike Faulkner, Künstler und Mitbegründer von D-Fuse. "Wir haben etwa 130 Künstler interviewt. Wir zeigen die Entwicklung der VJ-Bewegung mit Blick auf die Kultur und die Reaktionen der Menschen. Das Buch erklärt alles, was wir machen."
Grenzen überwinden
Wenn man die Arbeit von D-Fuse verstehen will, muss man wissen, dass die Designer bestrebt sind, die Grenzen von Technologie auszureizen und zu überschreiten. "Guero" beispielsweise, eine für den amerikanischen Sänger Beck produzierte DVD, ist so fortschrittlich, dass manch normaler DVD-Player damit überfordert ist. "Es ist eine technisch anspruchsvolle DVD, und die Plattenfirma war sich durchaus bewusst, dass einige DVD-Player damit Probleme haben könnten", erzählt Elmsly.
Die Zuschauer können selbst entscheiden, wie sie die DVD ansehen möchten, und haben die Wahl zwischen etwa 106 verschiedenen Wiederholungen. "Wir konnten die Musik von Beck ganz nach unseren Vorstellungen interpretieren", erinnert sich Elmsly. "Für uns war das ein unglaublich kreativer Prozess. Beck stellte uns die Musik zur Verfügung und wir schickten ihm einige Filme in einer Rohversion zurück. Er hat uns total unterstützt und nichts geändert."
Die verschiedenen Bilder für "Guero" wurden mithilfe von Final Cut Pro zusammengefügt. "Final Cut ist im Grunde genommen unser wichtigstes Werkzeug", so Faulkner. "Es ist ein absolut logisches Programm - es funktioniert fast wie Schwimmen oder Laufen. Und es hat auch versteckte Qualitäten. Wir können Grafikanimationen aus Adobe After Effects, Standbilder aus Photoshop und Audiomaterial aus Logic ganz leicht mit einmischen. Die Funktionen und Möglichkeiten sind einfach fantastisch."
Die Produktion von "Guero" war äußerst arbeitsintensiv und schwierig, aber diese Art der Arbeit ist für das Team von D-Fuse nichts Neues. 2004 brachte das Studio mit "D-Tonate" seine erste DVD auf den Markt, eine bunte Medienmischung aus Grafikanimationen, Videos und Standbildern. Das Team von D-Fuse fertigte eine Reihe von Video- und Grafikclips an, die an bekannte Musiker wie Ken Ishii, Scanner, Funkstörung und Kid 606 weitergegeben wurden. Ihre Aufgabe war es, Musikspuren für die Bilder von D-Fuse zu erstellen. Abschließend wurden alle Komponenten zu einer DVD zusammengefügt. Diese DVD war der Vorgänger und Wegbereiter von "Guero" und bestand aus mehreren Schichten, die zufällig abgerufen werden konnten. Auf diese Weise erlebten die Zuschauer beim Betrachten eine Art Live-Performance in ihrem Wohnzimmer. Die DVD vermittelt einen Eindruck, wie Live-Shows von D-Fuse wirken: Es sind spektakuläre Darbietungen, die sich nicht mit Worten beschreiben lassen.
