Apple-Systeme weltweit unterwegs mit der Formel 1

Das gesamte Serversystem inklusive einer Xsan-Massenspeicherlösung mit insgesamt 18 TB Speicherplatz verteilt auf vier Xserve RAIDs ist redundant aufgebaut, was bedeutet, dass selbst bei Ausfall mehrerer Komponenten weiter produziert werden kann. Zunächst werden während eines Rennens vier Live-Streams, der sogenannte Worldfeed, aufgenommen. Diese Dateien werden auf dem zentralen Xsan-Speicher abgelegt; parallel dazu erzeugen zehn Xserve G5 Cluster Nodes eine Kopie dieser Dateien mit niedriger Auflösung. Diese Kopien, auch Lowres-Versionen oder Proxies genannt, können die Redakteure bereits während des Rennens nach interessanten Inhalten durchsuchen. Die besten Passagen können direkt markiert werden, damit sie bei der anschließenden Erstellung der Beiträge schneller aufgefunden werden und damit insgesamt schneller produziert werden kann.

Apple-Systeme weltweit unterwegs mit der Formel 1

Durch die geringe Auflösung dieser Proxies können per GigaBit verbundene PowerBooks und MacBook Pros als Sichtplätze für die Redakteure verwendet werden, zudem können die Archivare in Köln über Satellit auf aktuelle Beiträge am Rennort zugreifen und mit der Verschlagwortung der neu produzierten Beiträge beginnen. Dies hat den Vorteil, dass auch aktuelle Inhalte vor Ort bereits nach Stichworten durchsuchbar sind.

Neben Live-Inhalten werden außerdem Videos auf das System kopiert, die vor Ort mit Sony XDCAM-Kameras aufgenommen werden und Geschehnisse rund um den Rennort abbilden. Dazu werden die Speichermedien aus den Kameras in XDCAM-Decks eingelegt, die mit Hilfe des MXF Converters der Firma Softron Media Services auf das Xsan-System in die FORK-Datenbank importiert werden. Da Sonys XDCAM-Format dateibasiert arbeitet, werden diese Inhalte mit ca. 2,5-facher Geschwindigkeit gegenüber einem Echtzeit-Import eingespielt, wodurch erneut sehr viel Zeit eingespart und wesentlich näher am Livegeschehen produziert werden kann.

„Die Apple-Lösung bietet nicht nur die größtmögliche Flexibilität für verschiedene Produktionen und Arbeitsweisen, sondern auch ein deutlich besseres
Preis-/Leistungsverhältnis als alle anderen.”

- Stefan Flügge,
  Produktionsleiter Formel 1 / Wintersport / Boxen

All diese Inhalte stehen sofort zur Bearbeitung bereit, so dass an den Edit-Stationen aktuellste Inhalte in Final Cut Studio bearbeitet werden können. Darüber hinaus liegen zehn Jahre Formel 1-Archiv auf zwei Xserve RAID-Systemen, die dadurch mehrere hundert Kilo Bandmaterial ersetzen, das bisher mit auf Reisen war. All diese Materialien können bereits während eines Rennens bearbeitet werden, so dass bereits kurz nach Ende eines Rennens erste Zusammenfassungen ausgestrahlt werden.

Die fertigen Beiträge werden von Köln aus mit Schlagworten versehen und ins deutsche Fernsehen übertragen.

Dieser Arbeitsablauf ist nicht nur bis ins letzte Detail durchdacht und an die Arbeitsweisen der beteiligten Cutter und Redakteure angepasst - das System muss auch die besonderen Herausforderungen der ständig neuen Einsatzorte überstehen. So wird das gesamte Equipment während des Transportes per Flugzeug, Laster und Gabelstapler physikalisch stark beansprucht. Spezielle Verpackungen schützen die Ausrüstung zwar sehr gut, dennoch ist die Belastung immer wieder enorm.

Hier spielen die Administrator-Tools der Xserve G5s und der Xserve RAIDs ihre Stärken aus, die im Fehlerfalle über eine grafische Anzeige ganz genau anzeigen, welches Bauteil defekt ist. Zu jedem Rennen werden einige Ersatzteilkomponenten mitgenommen, die sich bei Bedarf innerhalb weniger Minuten und meist ohne Zuhilfenahme von Werkzeug einbauen lassen.

„Dieses System ist für uns so erfolgreich, dass wir es auf alle Sportarten ausweiten werden, auch um einheitliche Produktionsbedingungen für unsere Mitarbeiter zu schaffen. Diese Art der Produktion ist die Zukunft.”

- Stefan Flügge,
  Produktionsleiter Formel 1 / Wintersport / Boxen

Dazu kommen Ereignisse wie in Melbourne, wo nachts bei sengender Hitze für mehrere Stunden die Klimaanlage im Serverraum ausfiel. Die Xserves und Xserve RAIDs mussten weit über 100 Grad Celsius Gerätetemperatur überstehen.

In Malaysia war die Luftfeuchtigkeit so hoch, dass sich jeden Morgen Wasser an den Wänden des Serverraumes absetzte, außerdem setzte ein tropisches Gewitter die gesamte Kabellage zwischen den Servern und Arbeitsstationen unter Wasser. Diese und andere aufreibende Ereignisse hat das System bereits eine gesamte Rennsaison überstanden und ist nun bereits auf dem Weg in die zweite Saison.

Neben der Robustheit ist ein weiterer Erfolgsfaktor der Lösung von Apple, dass das gesamte System sehr schnell und einfach auf- und abgebaut werden kann. Da nach jedem Rennen nur wenige Stunden zum Abbau der gesamten Technik zur Verfügung stehen bevor das Equipment zum nächsten Rennen geschickt wird, muss der Auf- und Abbau nicht nur schnell gehen, sondern auch mögliche Fehlerquellen ausschließen. Dazu werden Kabel gleicher Farbe mit denselben Ethernet- und Fibre Channel-Switches verbunden, so dass ein Fehler bei der Verkabelung sofort auffallen würde. Darüber hinaus wurden mit Hilfe spezieller Glasfaserkupplungen jeweils mehrere Kupferverbindungen zu einzelnen Glasfaserkabeln zusammengefasst, so dass zwischen den Geräten insgesamt weniger Kabel verlaufen.

Durch diese Maßnahmen ist es möglich geworden, das gesamte System innerhalb weniger Stunden vollständig auf- und wieder abzubauen.

Apple-Systeme weltweit unterwegs mit der Formel 1

Sollten vor Ort einmal Probleme auftauchen, die sich nicht direkt lösen lassen, kann von Deutschland aus über Satellit auf das System zugegriffen werden, um Fehler zu beheben oder Wartungsarbeiten durchzuführen.

Die Lösung von Apple wurde von Redakteuren und Cuttern so positiv aufgenommen, dass sie ständig erweitert wird. So musste sehr schnell eine Erweiterung des Netzwerkes vorgenommen werden, außerdem werden ständig neue Funktionen und weitere Verbesserungen des Arbeitsablaufes integriert.

Final Cut Studio, Xsan und Mac OS X Server entwickeln sich immer mehr zum Produktionsstandard in Broadcastumgebungen. Das Formel 1-Setup kann nicht nur den kompletten Sendebetrieb abwickeln wie bei anderen Einsätzen auch, sondern ist sozusagen die Offroad-Version einer normalen Video-Lösung von Apple, die den harten Anforderungen des Formel 1-Zirkus standhalten muss.

All dies meistert das System so hervorragend, dass RTL und die WIGE bereits ein zweites System mit vergleichbarer Ausstattung aufgebaut haben, dass im Wintersport und beim Boxen eingesetzt wird.