Apple live on Tour de France 2005
Final Cut System auf dem Prüfstand
Packende Zielsprints, knappe Zeitfahr-Entscheidungen und zermürbende Bergetappen bei sengender Hitze bildeten den faszinierenden Rahmen für den sensationellen siebten Sieg des Amerikaners Lance Armstrong, der den deutschen Hoffnungsträger Jan Ullrich wieder einmal hinter sich ließ.
Die Tour de France. Die Tour der Leiden. Das bedeutendste und zugleich härteste Radrennen der Welt zieht seit über hundert Jahren Millionen Menschen weltweit in seinen Bann. Jedes Jahr streiten sich fast 200 Fahrer um die Krone des Radsportes. Legenden wie Eddy Merxx und Lance Armstrong konnten sich mehrfach in die Siegerlisten eintragen und haben so unsterblichen Ruhm erlangt.
Aber nicht nur für die Rennfahrer und ihre Teams bedeuten die drei Wochen während der “Großen Schleife” tägliche Höchstleistungen. Von Mensch und Maschine wird auch abseits der Rennstrecke alles abverlangt. Den Fernsehzuschauern in Deutschland die aktuellen Ereignisse vom Renngeschehen so spannend, informativ und atmosphärisch wie möglich zu präsentieren ist hierbei natürlich eine der größten Herausforderungen. 2005 konnte sich zum ersten Mal ein Final Cut System (FCP) für das deutsche Fernsehen auf dem Prüfstand beweisen und zeigen, dass die Fernsehteams mit Systemen von Apple eines der großartigsten und anspruchsvollsten Sportspektakel der Welt noch packender gestalten können.
Für die Sportbegeisterten in Deutschland berichteten ARD und ZDF im täglichen Wechsel bis zu fünf Stunden vom Geschehen, bei den Königsetappen sogar bis zu sieben Stunden pro Tag. Das bedeutet für ca. 160 Mitarbeiter die knapp 20 Übertragungswägen, Schnittmobile und andere Fahrzeuge täglich an dem jeweiligen Etappenziel betriebsfertig zu machen, von morgens bis oft spät in den Abend Rennberichte, Interviews, Vorberichte und Zusammenfassungen zu produzieren und dann noch bis zu 400 km weiterzureisen.
Traditionell werden bei Sport-Events dieser Art, bei denen die Produktion unter gewaltigem Zeitdruck steht, lineare Schnittplätze verwendet. Diese werden zwar durch festplattengestützte Aufzeichnungssysteme ergänzt, dennoch wird letztendlich „auf Band“ geschnitten. Das bedeutet für die Produktion erprobte und zuverlässige Technik, jedoch eine geringere Flexibilität im Schnitt.
Torsten Bender und Ansgar Pohle, zwei Cutter mit jahrelanger Erfahrung im Sportbereich, wollten bei dieser Tour neue Wege gehen. Nach den guten Erfahrungen, die sie mit Final Cut Pro in ihrer eigenen Kölner Produktionsfirma Studio 71 gemacht hatten, schlugen sie den Verantwortlichen beim ZDF vor, den Schritt zu wagen und einen Schnittplatz mit einem System von Apple auszustatten. So wurde gemeinsam mit Apple und dem Kölner Systemhaus Mediatec eine von drei Edit-Suites durch ein System aus Power Mac G5, Xserve, Xserve RAID und Final Cut Studio ersetzt.
Zwei Xserve G5 wurden mit Decklink Pro Karten von Blackmagic und der Software PictureReady! von Gallery zu Aufzeichnungsstationen ausgebaut und zeichneten das SDI Signal auf ein vollbestücktes 5,6TB Xserve RAID auf. Ein Power Mac G5, ebenfalls mit einem Xserve RAID, Decklink Karte, Final Cut Studio, diente als Schnittplatz.
“Um maximale Flexibilität zu erreichen wurden die SDI Ein- und Ausgänge der Decklink-Karten mit der Kreuzschiene im Schnittmobil der Firma Dekabo Video verbunden. So konnten wir den Power Mac G5 auch dazu verwenden, die fertigen Beiträge direkt aus dem Rechner zu senden ohne erst wieder auf Digibeta ausspielen zu müssen.” Für die Redakteure des ZDF hatte diese Installation den Vorteil, dass sie die Beiträge noch bis wenige Minuten vor Sendestart ändern konnten.
Zusätzlich zu den Interviews, Vor- und Nachberichten, Fahrerportraits, die auf allen drei Schnittplätzen des ZDF bearbeitet wurden, diente das installierte FCP System dazu, die Kurzzusammenfassungen während des Rennens und die langen Tageszusammenfassungen zu erstellen, die das ZDF bereits kurz nach Rennende sendete.
Das Material vom französischen Fernsehen, welches das Rennen mit vier Motorradkameras und zwei Hubschraubern aufzeichnete, wurde in der Rennregie live für die internationalen Sendeanstalten aufbereitet. Parallel dazu waren mehrere Kamerateams des ZDF unterwegs, um die deutschen Rad-Teams zu begleiten und den Zuschauer mit weiteren Informationen zu versorgen. Über die beiden Xserves wurden das Signal der Franzosen und das deutsche Programm aufgezeichnet. Die EB-Bilder konnten gleichzeitig über das Schnittsystem gecaptured werden. Der Cutter hatte so die Möglichkeit gleichzeitig z.B. Rennverlauf, Interviews und EB-Material aufzuzeichnen und die Highlights herauszusuchen.
Durch die Software PictureReady! wird das aufgenommene Signal dem Schnittprogramm noch während der Aufnahme zur Verfügung gestellt, d.h. noch bevor das File auf der Platte abgeschlossen ist. Man hat so die Möglichkeit, ein Bild bereits wenige Sekunden nachdem es am Eingang des Rechners anliegt in Final Cut Pro zu verarbeiten und in einen Beitrag einzubauen. Der Editor konnte somit während des Rennens auf das augenblicklich aufgezeichnete Signal zugreifen und die spannendsten Szenen zusammenstellen. Diese Arbeitsweise eröffnete den Redakteuren eine flexiblere Rennberichterstattung, so dass die Zusammenfassung schon zu großen Teilen fertig war, als die Fahrer ins Ziel kamen.
Zwei Xserve G5 mit Decklink Pro Karten von Blackmagic und der Software PictureReady! von Gallery zeichnen das SDI Signal auf ein vollbestücktes 5,6TB Xserve RAID auf.
