Doc Baumann vor seinem Ur-Mac, in 'schwarzen und weißen Pixeln'
Dr. Hans D. Baumann, Jahrgang 1950, hat in Marburg und Kassel Kunst und Kunstwissenschaft studiert. Seit 1981 arbeitet er als freiberuflicher Autor: Als "Doc Baumann" ist er in Deutschland eine Art Photoshop-Guru und bringt seiner Lesergemeinde in diversen Magazinen die Arbeit mit Alphakanälen oder Ebenenmasken näher. Außerdem ist er Herausgeber von "Bikers News" und dem Bildbearbeitungsmagazin "DOCMA".
Herr Baumann, lieben Sie Ihren Mac?
Der Mac ist für mich ein Werkzeug, allerdings ein ganz zentrales und unverzichtbares. Wahrscheinlich glauben viele Menschen, weil ich mich seit zwanzig Jahren mit digitaler Bildbearbeitung beschäftige, müsste ich ein Computer-Freak sein aber eher das Gegenteil ist der Fall: Ich setze den Mac ein, weil ich mich eben nicht sonderlich für Computer interessiere. Ich will damit arbeiten und mich nicht darum kümmern müssen, wie er funktioniert. Also schätze ich meine Macs sehr und wäre ohne sie völlig aufgeschmissen aber ich liebe sie nicht. Ich liebe ja auch meine Digitalkamera nicht, oder früher Airbrush und Schreibmaschine.
Wissen Sie noch, wann Sie Ihren ersten Mac gekauft haben? Und warum?
Ja, das war 1984 eine Jahreszahl mit hoher literarischer Symbolkraft. Bis dahin hatte ich nie ernsthaft über die Anschaffung eines Computers nachgedacht. Allein schon diese hässliche grüne Schrift auf schwarzem Grund … Und dann zeigte mir 1984 ein Bekannter seinen Mac, der damals gerade herausgekommen war. Ich fand an der kleinen grauen Kiste dreierlei faszinierend: Dass man mit einer Maus, die auf dem Monitor pixelige schwarze Striche hinterließ, direkt malen konnte, dass sich Dateien, die man nicht mehr braucht, in einen Papierkorb werfen ließen, und dass Befehle über Menüs eingegeben wurden und ich mir keine komplizierten Tastaturkürzel merken musste. Der kleine Ur-Mac hat immer noch einen Ehrenplatz in meinem Regal.
Dann war also Bildbearbeitung schon damals ein Grund für den Erwerb des Rechners?
Nun ja, sofern man bei MacPaint mit seinen fetten schwarzen und weißen Pixeln von Bildbearbeitung reden konnte … Nein, das war nicht der Grund. Eigentlich wollte ich nur als Autor leichter bearbeitbare und besser aussehende Seiten abliefern. Dabei ahnte ich weder, dass ich sehr viel mehr Zeit einsparen, noch, dass das Schreiben mit MacWrite nur ein Anwendungsbereich unter vielen werden würde.
Und was haben Sie sonst noch damit gemacht?
Vor allem DTP, Desktop Publishing, Druckvorstufe am PC, was heute niemand mehr so nennt, weil es kaum noch andere Verfahren gibt. Binnen weniger Monate hatte ich das gerade erschienenen Programm Ready, Set, Go!, kurz darauf den Aldus PageMaker. Ich hatte mich während meines Kunststudiums nie sonderlich für Typographie interessiert aber nun am Mac, trotz Mini-Monitors und Pixelfonts, begeisterte mich die Möglichkeit des direkten Umgangs mit gestalteten Buchstaben.
Haben Sie das auch gleich praktisch umgesetzt?
Neben meinen Tätigkeiten als Buchautor, Grafiker und Kunstwissenschaftler arbeitete ich seit 1982 als Redakteur der „Bikers News“, des einzigen Magazins für Motorrad-Rocker. Das war damals ein dünnes Heftchen, das ausschließlich im Abo an ein paar hundert Rocker und Motorradclubs vertrieben wurde und in Bikerkneipen und Chopper-Werkstätten auslag (als ich die Chefredaktion abgab, lag die Auflage bei 50.000), wegen der hohen Satzkosten ständig am Rand der Pleite. Nach meinen ersten Erfahrungen mit Mac und DTP stellten wir die Produktion sofort um, kauften einen Apple-Rechner, und der Grafiker musste sich in PageMaker einarbeiten. Die Hefte sahen dann eine Weile ziemlich selbstgestrickt aus: Alles voller Rahmen, möglichst mit abgerundeten Ecken, Headlines generell in fetter, schattierter Konturschrift, falsche An- und Abführungen, das volle Programm. Laserbelichter gab es noch nicht, also gaben wir die Seiten auf dem ersten Laserdrucker unseres Apple-Händlers aus; die wurden dann auf Film reproduziert und die Rasterfotos eingeklebt. Soweit ich weiß, war die „Bikers News“ damit 1985 die erste deutsche Zeitschrift, die mit DTP arbeitete. Und auch bei den gescannten Schwarzweiß- und später den Farbbildern lagen wir ganz vorn. Natürlich stammt auch mein Spitzname „Doc“ aus der Rockerszene; die Idee, den auch im Bildbearbeitungsbereich zu verwenden, hatte Jahre später Helmut Kraus, als es um den Titel eines Buches für den dpunkt-Verlag ging.
Doc Baumann Gruppenfoto, siebenfach
Ja, kommen wir auf die digitale Bildbearbeitung zurück. Wie ging das weiter nach MacPaint?
Die Möglichkeiten waren Mitte der Achtziger noch sehr beschränkt. Es begann mit einer Art Plug-ins, die ich in Florida anlässlich einer Biker-Reportage entdeckt hatte, mit denen man in MacPaint Auswahlen skalieren, neigen und verzerren konnte, andere boten Pixelraster zur Graustufensimulation. Erst Jahre später kamen Graustufen, dann 32 und 256 Farben hinzu. Das erste praktisch brauchbare Bildbearbeitungsprogramm für den Mac war ImageStudio von Letraset. Schon früh hatte ich den ersten Scanner erworben: Einen kleinen schwarzen Kasten, der statt des Farbbandes in den Apple-Nadeldrucker gesteckt wurde, mit einem rot glühenden Loch an der Vorderseite, mit dem er eine auf die Walze gespannte Papiervorlage abtastete und in ein 1-Bit-Raster umsetzte.
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