Und darüber schrieben Sie dann Ihre ersten Artikel?

Nein, das war erst Jahre später. Durch einen Zufall kam ich 1986 dazu, ein Buch über die Dreharbeiten und den historischen, kirchengeschichtlichen und philosophischen Hintergrund von „Der Name der Rose“ zu verfassen. Aber dann verschob sich das Interview mit Sean Connery so lange, dass das Buch nicht mehr rechtzeitig zum Filmstart fertig geworden wäre. So schlug ich dem Verlag vor, das Buch mit DTP selbst vorzubereiten und auf einem der ersten Laserbelichter, den es damals in Deutschland gab, ausgeben zu lassen. Zuerst lehnten sie entsetzt ab, aber schließlich ließen sie sich überzeugen. So wurde „Der Film: Der Name der Rose“ das wahrscheinlich erste Buch in Deutschland, das mit DTP entstand und mit seiner 100.000er-Auflage ein Bestseller.

Man kann sich das heute nicht mehr vorstellen: Layout auf dem winzigen Monitor, und alle Daten – Betriebssystem, PageMaker, Fonts und Satzdateien – auf zwei 400-KB-Disketten. Wegen seiner ungewöhnlichen Herstellung weckte das Buch auch technisches Interesse. Kurz nach seinem Erscheinen lud mich die Redaktion des „Börsenblattes des deutschen Buchhandels“ ein, darüber zu schreiben, und sie folgte meinem Vorschlag, diese Seiten per DTP vorzubereiten.

Was dann passierte, erzähle ich immer wieder gern: Der Börsenverein bat mich zu einem Vortrag vor den Herstellern der großen deutschen Verlage über das Entstehen des Buches. Am Ende gab es zwar durchaus höflichen Beifall, aber die Meinung der Anwesenden war eindeutig. Mit schiefem Blick auf meinen kleinen Ur-Mac, den ich unter dem Arm mitgebracht hatte, erklärten sie mir: „Das ist ja ganz nett, was Sie uns hier vorgeführt haben, junger Mann – aber bitte glauben Sie doch nicht, dass man damit jemals korrekten, registerhaltigen Blocksatz mit sauber gestalteten Buchstaben wird herstellen können. Vielleicht wird der Edeka-Kaufmann an der Ecke in zehn Jahren damit seine Sonderangebote anpreisen, aber richtige Bücher oder Zeitschriften kann man mit dieser Technik nie machen.“

Heute ist das Verfahren längst so selbstverständlich, dass niemand mehr von DTP spricht, weil es fast keine Alternativen mehr gibt. Ich schrieb über diese Buchproduktion dann auch im Fachmagazin Page, danach über verwandte Themen wie etwa Schriftgeschichte, interessante Fonts und ähnliches, und irgendwann fragte mich die Redaktion: Sag mal, du hast doch Kunst studiert, möchtest du nicht mal ein Bildbearbeitungsprogramm besprechen. So fing das an.

Für welche Zeitschriften haben Sie noch gearbeitet?

Eine ganze Menge, einige gibt es heute gar nicht mehr. Also, lange für die Page, ab 1988 auch für die MACup aus demselben Verlag, für die ich noch heute jeden Monat meine Screenshots-Kolumne und einen Photoshop-Workshop liefere. In ein paar Monaten kommt die 150. Folge ins Heft; ursprünglich fing die Serie damit an, dass ich ein paar Tipps und Tricks von Kai Krause übersetzt habe. Dann folgten Pablo, Digital Imaging, ComputerFoto, MacProfiler, PixelGuide, Chip Foto Video digital, Photographie … und natürlich nicht zu vergessen seit 2003 mein eigenes Bildbearbeitungsmagazin DOCMA, das ich zusammen mit Christoph Künne mache. Und nebenbei immer wieder Bücher.

Ihre Bücher handeln immer von digitaler Bildbearbeitung?

In den letzten Jahren schon. Das begann um 1990 mit einem DTP-Lehrbuch und dem Rowohlt-Lexikon „Macintosh-Grafik“. Daneben habe ich viele Bücher zu ganz anderen Themen gemacht; über Rocker, ein paar Fotobände, „Horror – Die Lust am Grauen” u.v.m.

Seit 1991 arbeite ich an einem Roman, in dessen Zentrum ein geheimnisvolles Gemälde von Hans Holbein steht. Die Recherchen dafür haben mich um die halbe Welt geführt – immer mit iBook oder später dem PowerBook im Handgepäck, um die Tausenden Fotos unterzukriegen und interessante Eindrücke aufzuschreiben. Leider lassen die vielen Zeitschriftenbeiträge, Bücher, Vorträge und Schulungen mir nur wenig Zeit für das Romanprojekt.

Worum geht es bei Ihrem Magazin DOCMA und dem DOCMA-Award?

Wir haben diese Zeitschrift 2003 begründet, weil Christoph Künne und ich für diverse Foto- und Computermagazine gearbeitet haben und weiterhin arbeiten, bei denen digitale Bildbearbeitung immer nur ein Thema unter vielen ist; die können verständlicherweise keine Acht- oder Zehnseiten-Workshops bringen. Wir wollten ein Heft machen, das sich nur digitaler Bildbearbeitung widmet ohne die vielen Seiten Vergleichstests von Kameras oder Scannern. Dazu gibt es genug gute Magazine. Wie wir an den Besucherzahlen auf www.docbaumann.de sehen, an der wachsenden Anzahl von Beziehern unseres kostenlosen Newsletters, an den Downloads des PDF-Magazins und an der Beteilung im Forum – das Interesse am Thema ist da und steigt merklich.

Als ich 2003 begann, mit Christoph Künne zusammenzuarbeiten, hatte ich gehofft, mit ihm einen Partner gefunden zu haben, der im Heft ausgiebig auf die entsprechende Windows-Software eingehen würde. Aber “leider” ist er inzwischen vom Mac so überzeugt, dass das nicht geklappt hat. DOCMA lesen zwar, den Marktanteilen entsprechend, auch viele Windows-User, aber wir wissen aus unseren Leserumfragen, dass die Mac-Anwender bei uns sehr stark vertreten sind. Das bestätigt sich im übrigen auch bei unseren jährlichen Wettbewerben, wo es um digitale Bildbearbeitung – überwiegend mit Photoshop – geht: Da liegt der Anteil derer, die in den Teilnahmeunterlagen Mac OS als Plattform angeben, sehr hoch. Beim 2005er DOCMA-Award ist das Thema übrigens „Mischwesen“ (aus Menschen, Tieren, Maschinen, Pflanzen); die Arbeiten werden irgendwann im Herbst präsentiert.

Zusammengefasst: Was bedeuten Mac und digitale Bildbearbeitung für Sie?

Viele Träume – wenn auch nicht die politischen, die ich früher hatte, sind nicht nur Wirklichkeit geworden, sondern wurden weit übertroffen. Als ich noch gemalt und gezeichnet habe – seit ich mit dem Mac arbeite, habe ich die Pinsel nur noch herausgeholt, um meine Hausfassade zu bemalen – wünschte ich mir nur, es gäbe ein Gerät, um Negative schnell in Positivdarstellung anschauen kann. Da ich immer gegenständliche Motive in meinen Bildern verwendet habe, sind digitale Bilderfassung und -bearbeitung für mich eine wirkliche Erfüllung. Als ich mit dem berufsmäßigen Schreiben anfing, war eine elektrische Schreibmaschine mit Proportionalschrift und Korrekturband das Nonplusultra, – alles andere erledigten Spezialfirmen mit aufwendiger Ausstattung. Dann kam der Mac. Ich hätte nie zu träumen gewagt, dass ich einmal einen Power Mac G5 mit entsprechender Softwareausstattung auf dem Schreibtisch stehen haben würde, mit dem ich alle Tätigkeiten erledigen kann, die für meine Arbeit wichtig sind: Bildbearbeitung, 3D-Grafik, malen, schreiben, Bilder und andere Daten erfassen, strukturieren und verwalten, Buchhaltung und Briefverkehr erledigen, Bücher oder Hardware bestellen, in aller Welt recherchieren … Nur jener digitale Assistent mit Stimme und Gesicht eines Menschen, den Apple auf einem Videoband angekündigt hat, das einem meiner frühen Macs beilag – auf den warte ich noch immer.

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