Apple toleriert bei seinen Zulieferern weder unethisches Handeln noch Vorgehensweisen, die die Rechte der Arbeiter gefährden – selbst wenn lokale Gesetze und Gepflogenheiten solche Praktiken erlauben. Wir haben Maßnahmen gegen überlange Arbeitszeiten, unethische Anwerbungsmethoden und die Einstellung minderjähriger Arbeiter ergriffen.
Shanghai, China
Arbeiter am Standort eines Apple Zulieferers setzen das Bildschirmgehäuse für das MacBook Pro zusammen und führen Qualitätsprüfungen durch.
Harrodsburg, Kentucky, USA
Eine Arbeiterin prüft die Qualität von Glas, das in Apple Geräten verbaut wird.
Maßnahmen gegen übermäßig lange Arbeitszeiten.
Die Abschaffung der branchenüblichen Praxis übermäßiger Überstunden hat für Apple höchste Priorität. Unser Verhaltenskodex für Zulieferer beschränkt die Wochenarbeitszeit auf 60 Stunden, ausgenommen sind dabei ungewöhnliche Umstände. Und Überstunden dürfen nur auf freiwilliger Basis geleistet werden. In der Vergangenheit waren Wochenarbeitszeiten über 60 Stunden leider eher die Regel als die Ausnahme, und viele Jahre lang hat sich in dieser Hinsicht in unserer Branche wenig geändert. Wir haben verschiedene Ansätze verfolgt, um dieses Problem zu beseitigen – bedauerlicherweise ohne Erfolg. Deshalb begannen wir 2011 damit, bei einigen unserer Zulieferer die wöchentlichen Arbeitsstunden zu erfassen. Wenn wir dabei auf zu lange Arbeitszeiten stießen, konnten wir das Problem umgehend mit dem jeweiligen Zulieferer angehen.
2012 haben wir das Programm ausgeweitet: Wir haben die Wochenarbeitszeit von mehr als 1 Million Arbeitern erfasst und die Daten jeden Monat veröffentlicht. Diese Vorgehensweise zeigte Wirkung, denn über alle Arbeitswochen konnten wir feststellen, dass unsere Zulieferer die Vorgaben zu 92 % einhielten. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit lag bei weniger als 50 Stunden.
Das Problem der Kinderarbeit.
Unsere Haltung in dieser Frage ist eindeutig: Kinderarbeit wird von Apple nicht toleriert und wir setzen alles daran, Kinderarbeit in unserer Branche zu beseitigen. Wenn wir Kinderarbeit bei Zulieferern feststellen oder wir von vergangenen Fällen erfahren (z. B. wenn Arbeiter den Standort zum Zeitpunkt der Überprüfung bereits verlassen oder das legale Arbeitsalter erreicht hatten), verlangen wir im Rahmen unseres Programms zur Beseitigung von Kinderarbeit (Underage Labor Remediation Program) umgehende Maßnahmen zur Beseitigung des Missstands. Die Zulieferer müssen minderjährige Arbeitskräfte zurück zur Schule schicken und die Kosten für ihre Ausbildung an einer von der Familie ausgewählten Einrichtung übernehmen. Außerdem stehen den Kindern Lohnfortzahlungen in Höhe des Lohns zu, den sie während ihrer Anstellung erhielten. Wir überprüfen regelmäßig, ob die Kinder an der Schule bleiben und ob die Zulieferer ihren finanziellen Verpflichtungen weiterhin nachkommen.
2012 haben wir bei den Überprüfungen unserer Zulieferer in der Endfertigung keine Fälle von Kinderarbeit feststellen können. Dieses Ergebnis stimmt uns zuversichtlich, aber wir werden weiterhin regelmäßige Überprüfungen durchführen und diese auf die gesamte Lieferkette ausweiten, damit sichergestellt wird, dass kein Apple Zulieferer minderjährige Arbeitskräfte beschäftigt. Von vielen unserer Zulieferer hören wir, dass wir das einzige Unternehmen sind, das Kontrollen dieser Art durchführt. Wenn wir also Probleme aufdecken und beheben, wirkt sich dies letztendlich nicht nur auf unsere Zulieferer aus.
Die Machenschaften betrügerischer Arbeitsvermittler.
In vielen Fällen von Kinderarbeit waren die Hintermänner externe Arbeitsvermittler, die vorsätzlich und illegal minderjährige Arbeitskräfte angeworben haben. Im Januar 2012 haben unsere Teams die Guangdong Real Faith Pingzhou Electronics Co., Ltd. (PZ) (广东昭信平洲电子有限公司) überprüft, einen Zulieferer, der ein Bauteil für Leiterplatten fertigt, das auch von vielen anderen Unternehmen in verschiedenen Branchen verwendet wird. Mit Erschrecken mussten unsere Prüfer feststellen, dass dort 74 Arbeiter unter 16 Jahren beschäftigt waren, was ein schwerwiegender Verstoß gegen unseren Verhaltenskodex ist. Apple hat daraufhin die Geschäftsbeziehung zu PZ beendet.
Doch damit nicht genug. Wir fanden heraus, dass die Kinder wissentlich an PZ vermittelt wurden, und zwar von der Shenzhen Quanshun Human Resources Co., Ltd. (Quanshun) (深圳全顺人力资源有限公司), einer der größten Arbeitsvermittlungen der Region, die in den Provinzen Shenzhen und Henan registriert ist. Diese Agentur hat sogar mit den Familien der Kinder zusammengearbeitet, um deren Altersnachweise zu fälschen, damit die Kinder für älter gehalten wurden, als sie waren.
Wir haben außerdem die Provinzregierungen auf die Fälle von Quanshun aufmerksam gemacht. Dieser Arbeitsvermittlung wurde vorübergehend die Lizenz entzogen und sie musste eine Strafe zahlen. Die Kinder kamen zurück zu ihren Familien und PZ musste alle Kosten für ihre Rückkehr übernehmen. Das Unternehmen, das seine Arbeit an PZ ausgelagert hatte, hat nach Bekanntwerden dieses Falles auch seine anderen Subunternehmer auf Verstöße gegen das Verbot der Kinderarbeit überprüft. Was beweist, dass ein aufgedeckter Fall weitreichende Konsequenzen haben kann.
Hilfsmittel für die verantwortungsvolle Anwerbung von Arbeitern.
Seit drei Jahren bieten wir unser Trainingsprogramm zur Verhinderung von Kinderarbeit an, das Zulieferern helfen soll, Fälle von Kinderarbeit zu erkennen und zu verhindern. Wir haben Schulungen für 84 Zulieferer durchgeführt, die ausgewählt wurden, weil sich ihre Standorte in Provinzen befinden, die besonders gefährdet für Kinderarbeit sind. Diese Schulungen stellen Methoden und Hilfsmittel für eine effektive Altersüberprüfung vor. Außerdem erfahren die Zulieferer, welche Schritte sie ergreifen müssen, wenn bei einer Überprüfung Kinderarbeit festgestellt wird.
2012 haben wir erstmals auch einen Ratgeber angeboten, der hilft, gültige Ausweispapiere zu erkennen und die Anwerbepraktiken externer Arbeitsvermittler zu bewerten. Auch nach der Schulung unterstützen wir die Zulieferer. Im Anschluss an eine Schulung bewerten die Zulieferer ihre internen und externen Risikofaktoren und erstellen Aktionspläne, mit deren Hilfe Strategien zur Prävention von Kinderarbeit überarbeitet werden. Anschließend überprüfen wir diese Systeme. Zulieferer, die weitere Unterstützung benötigen, werden von Branchenexperten vor Ort bei der Umsetzung der Aktionspläne und bei der Verbesserung der Verwaltungspraktiken beraten.
Besonders gefährdete Zulieferer erhalten von uns zudem die Namen von Arbeitsvermittlern, die bereits im Zusammenhang mit der Anwerbung minderjähriger Arbeitskräfte aufgefallen sind. Und wir beraten sie, was die Zusammenarbeit mit anderen Vermittlern angeht. Dabei geht es um Aspekte wie das Sicherstellen, dass der Vermittler über die entsprechenden Lizenzen und Zulassungen verfügt, das regelmäßige Kontrollieren der Anwerbungspraktiken des Vermittlers und das Melden von Verstößen an Apple und an die zuständige Behörde.
Standards für die Einstellung von Schülern und Studenten.
In China müssen viele Schüler oder Studenten im Rahmen ihrer Ausbildung Praktika absolvieren. Für die Einstellung von Schülern oder Studenten für Praktika oder Ausbildungsprogramme gelten strenge Standards, zu deren Einhaltung unsere Zulieferer verpflichtet sind. So gilt es, bei den Arbeitszeiten beispielsweise die rechtlichen Einschränkungen zu beachten und darauf zu achten, dass die Arbeitszeit nicht mit dem Schulbesuch kollidiert. Die Zulieferer müssen außerdem sicherstellen, dass das Ausbildungsprogramm die Gesetze und Vorschriften einhält. Wir haben festgestellt, dass Teile solcher Programme eher schlecht durchgeführt werden, und der Turnuscharakter von Praktika erschwert es, Probleme zu erkennen. 2013 sind unsere Zulieferer dazu verpflichtet, die Anzahl der beschäftigten Schüler und Studenten und die Namen ihrer Schulen oder Hochschulen zu melden, damit wir dieses Problem genauer beobachten können. Wir haben damit begonnen, mit Branchenberatern zusammenzuarbeiten, um unsere Zulieferer zu unterstützen, ihre Richtlinien, Arbeitsabläufe und Verwaltung von Praktikumsprogrammen zu verbessern und so über das rechtlich vorgegebene Maß hinauszugehen.
Bekämpfung überhöhter Anwerbungsgebühren und Schuldknechtschaft.
Viele Zulieferer nutzen die Dienste von externen Arbeitsvermittlungsagenturen, um Vertragsarbeiter aus anderen Ländern anzuwerben. Diese Agenturen arbeiten oftmals mit mehreren Subunternehmen zusammen, die wiederum mit kleineren lokalen Agenturen in den Heimatländern der Arbeiter kooperieren. Um eine Anstellung zu erhalten, müssen die Arbeiter häufig Gebühren an jede dieser Agenturen zahlen, und viele verschulden sich dadurch hoch, noch bevor sie ihre Arbeitsstelle antreten. Deshalb müssen sie einen Großteil ihres Lohns an die Personalvermittler abtreten, um ihre Schulden abzuzahlen, und sind verpflichtet, bis zur Begleichung der Schulden in diesem Arbeitsverhältnis zu bleiben. Für uns stellt diese Praxis eine Form der Schuldknechtschaft dar und ist laut unserem Verhaltenskodex für Zulieferer strengstens untersagt.
Bei Verstößen sind die Zulieferer verpflichtet, für jeden qualifizierten Vertragsarbeiter, der an Aufträgen für Apple arbeitet, solche überhöhten Anwerbungsgebühren zurückzuzahlen. Als „überhöhte Anwerbungsgebühr“ verstehen wir alle Beträge, die die Höhe eines Nettomonatslohns übersteigen. Uns ist bekannt, dass Betriebe in bestimmten Ländern stärker dazu neigen, Vertragsarbeiter aus anderen Ländern einzustellen. Deshalb führen wir an diesen Standorten gezielte Überprüfungen zu Fällen von Schuldknechtschaft durch. Außerdem helfen wir den betreffenden Betrieben, ihre Verwaltungssysteme und -praktiken derart zu ändern, dass sie unsere Standards erfüllen. Apple ist das einzige Unternehmen in der gesamten Elektronikbranche, das Rückzahlungen dieser Art verlangt. Seit 2008 haben unsere Zulieferer Rückzahlungen in Höhe von insgesamt 13,1 Millionen US-Dollar an Vertragsarbeiter geleistet, darunter allein 6,4 Millionen US-Dollar im Jahr 2012.
Beschaffung von konfliktfreien Rohstoffen.
Apple verpflichtet sich zur Verwendung konfliktfreier Mineralien und ist Mitglied der Public-Private Alliance for Responsible Minerals Trade. In dieser Initiative arbeiten Regierungen, Unternehmen und die Gesellschaft daran, Lösungen für Beschaffungsfragen mit Blick auf konfliktbelastete Mineralien aus der Demokratischen Republik Kongo zu finden. Apple ist eines der ersten Elektronikunternehmen, das seine Versorgungskette für möglicherweise konfliktbelastete Mineralien darlegt, und wir befragen unsere Zulieferer, um in Erfahrung zu bringen, von wo sie ihre Schmelzen beziehen. Derzeit (Stand: Dezember 2012) haben wir 211 Schmelzhütten und Veredlungsbetriebe ermittelt, von denen unsere Zulieferer Zinn, Tantal, Wolfram oder Gold beziehen.
Apple Zulieferer setzen entweder Tantal aus konfliktfreier Herkunft ein, lassen ihre Tantal-Schmelzhütten zertifizieren oder gehen dazu über, diesen Rohstoff von bereits zertifizierten Tantal-Schmelzhütten zu beziehen. Wir werden auch weiterhin qualifizierte Schmelzhütten zertifizieren und von unseren Zulieferern verlangen, Zinn, Wolfram und Gold in Zukunft von diesen zertifizierten konfliktfreien Schmelzhütten zu beziehen.
Im Rahmen der branchenweiten Bemühungen, Zulieferer bei der Beschaffung konfliktfreier Rohstoffe zu unterstützen, richten wir unser Programm auch weiterhin an den Richtlinien der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aus und arbeiten mit der EICC (Electronic Industry Citizenship Coalition) und der GeSI (Global e-Sustainability Initiative) zusammen. Im Mittelpunkt der Programme für konfliktfreie Schmelzen von EICC und GeSI steht die Zertifizierung von Schmelzhütten als „konfliktfrei“, die auf einem unabhängigen externen Überprüfungsprozess beruht.
